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Schwerz im Saalekreis

Home Neuigkeiten Presse Wertvolle Stuckdecke in Villa

Geschrieben von: Mitteldeutsche Zeitung Freitag, 24. März 2006

Entdeckung bei Bauarbeiten - Kleinod der Gründerzeit - Therapie für Rettung

Von unserem Redakteur
RALF BÖHME

Schwerz/MZ. Eine überraschende Entdeckung haben die Einwohner der Saalkreis-Gemeinde Schwerz gemacht. Im Gemeindezentrum, der Villa des ehemaligen Rittergutsbesitzers, stieß man bei Bauarbeiten auf eine mit zwei Schichten aus Holz- und Plastikplatten verdeckte, unbekannte Stuckdecke. Einen ersten Hinweis auf diese Möglichkeit erhielten die Schwerzer von ihrem geschichtsinteressierten Mitbürger Dietmar Zutz.

Mitteldeutsche Zeitung vom 24.03.2006Mit einer eigenwilligen Gestaltung besitzt die Decke, so Fachleute, im ländlichen Raum einen großen Seltenheitswert. Architektin Sabine Schütz aus Halle, die seit 2003 die schrittweise Sanierung des historischen Gebäudes leitet, bezeichnet die 40 Quadratmeter große Decke als „ein Kleinod der Gründerzeit-geschichte”. Damit brachte der Bauherr neben vielen anderen Besonderheiten des Hauses „etwas Großbürgerliches ins Dorf”. Schütz zufolge wurde die Villa im Jahr 1892 errichtet und orientierte sich damals in Architektur und Ausstattung am Modernsten dieser Zeit.

Riesige Ornamente, die allerdings erhebliche Verwitterungsspuren aufweisen, ziehen die Blicke der Betrachter auf sich. Zentral platziert ist eine kunstvoll geformte Rosette, die ehedem als Aufhängung des Kronleuchters gedient haben muss. Ein blau gefasster Fries mit Blumen umrahmt den Raum in 4.8O Meter Höhe. Aus Stuck gefertigt sind symbolhafte Engelfiguren. Laub und diverse Behältnisse. Schütz: „Wir haben auch Reste von kostbaren Blattgold-Tapeten gefunden.”

Die Decke braucht dringend eine Kur. Das sieht auch der Laie. Experten schlagen eine Drei-Schritt-Therapie vor. Zunächst muss der Putz verfestigt werden. Dann folgt eine Reinigung von Stuck und Farben mit schonenden Verfahren. Ausbesserung von Mängeln und ein neuer Farbauftrag könnten das repräsentative Bild abrunden und den Saal aufwerten.

Noch am Anfang steht die Finanzierung des Vorhabens. Bürgermeisterin Beate Bunge (parteilos) ist optimistisch, „weil die Entdeckung im Dorf eine sehr positive Resonanz ausgelöst hat”. Eine Bürgergrupne sei schon dabei, eine Präsentationsmappe zu gestalten. Damit könne man vielleicht Spenden sammeln. Mit einem Mix, zu dem auch Fördermittel und Eigenleistungen gehören, wolle man so rasch wie möglich vorankommen. „In einem ersten Schritt sind 4000 bis 6000 Euro erforderlich”, so Bunge.

Bildunterschrift:
Architektin Sabine Schütz (links) und Bürgermeisterin Beate Bunge nahmen gestern in Schwerz die Stuckdecke in der Villa als ein Kleinod der Gründerzeit in Augenschein. Um einen weiteren Verfall zu stoppen, soll Geld für die Sanierung der Hauses aufgetrieben werden.

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