Geschrieben von: Mitteldeutsche Zeitung Freitag, 26. Juni 2009 um 00:00
LANDSBERG/MZ - Auf kräftigen Einwohnerzuwachs stellt sich die Stadt Landsberg ein. Ab 1. Januar nächsten Jahres zählt die Saalekreis-Kommune mehr als 12.000 Bürger. Die entscheidende Weichen für dieses Plus von 3.500 Einwohnern wurden gestern Abend gestellt. Der Stadtrat stimmte mehrheitlich den Beitrittswünschen von drei Gemeinden zu. Hintergrund dieser Entwicklung ist die laufende Kommunalreform. In diesem Monat endet die so genannte freiwillige Phase, in der Kommunen zu selbst ausgehandelten Bedingungen zusammen gehen können. Das ist ab Juli grundsätzlich nicht mehr möglich. Dann entscheidet das Land über die Zuordnung in bereits bestehende Strukturen. Ziel der Veränderungen sind leistungsfähigere Einheiten, die unter dem Strich noch Kosten einsparen können. Einige Kritiker glauben, dass Kommunen gegen anstehende Zwangseingemeindungen den Klageweg beschreiten sollten. Die Erfolgsaussichten sind jedoch unklar.
Davon hält man in Niemberg, Oppin und Schwerz offenbar nichts. In allen drei Kommunen haben sich die Gemeinderäte klar für den Beitritt zu Landsberg ausgesprochen. Als Ortsteile einer Stadt mit beachtlich gewachsener Wirtschaftskraft sehen die Neu-Landsberger offenbar auch Chancen für sich.
Der Niemberger Bürgermeister Christian Kupski (parteilos) kann auf das Ergebnis einer Bürgeranhörung verweisen. „Zwei Drittel der Wahlberechtigten waren für einen Wechsel nach Landsberg.” Eine wichtige Rolle spielte dabei, dass die Stadt den Niembergern einige Garantien einräumte. So soll die Grundschule im Ort unter allen Umständen erhalten bleiben.
Bernd Frischmuth (parteilos), Bürgermeister in Oppin, ist optimistisch, dass mit Hilfe von Landsberg die Gewerbegebiete besser an den Mann gebracht werden können. Voran gehe es nun hoffentlich mit der Abwasserentsorgung. So dürfe der Ortsteil Maschwitz nicht länger als Insel betrachtet werden. Mit der Kraft der Stadt, glaubt Frischmuth, erhält Oppin auch eher eine Entlastungsstraße für den Lkw-Verkehr.
Beate Bunge (parteilos), die langjährige Bürgermeisterin von Schwerz, ist froh, dass jetzt die Richtung klar ist. „Die Diskussion dauerte länger als zehn Jahre, es reicht.” Freilich bedauert sie, dass vorläufig - wegen der erst späteren Wahlen - kein Vertreter aus Schwerz im Landsberger Stadtrat sitzt. Doch sichere der Vertrag die Einflussmöglichkeit für mindestens fünf Jahre und vereinbare wichtige Vorhaben, unter anderem die Sanierung des Kindergartens.
Aus Sicht von Olaf Heinrich (CDU), Bürgermeister von Landsberg, sagte unmittelbar nach der gestrigen Abstimmung: „Gemeinsam sind wir viel stärker.” Vieles deute daraufhin, dass die erweiterte Stadt bald einen zusätzlichen wirtschaftlicher Schub erleben werde.