Geschrieben von: Sabine Schütz Freitag, 31. März 2006
„Was du ererbt von deinen Vätern hast,
erwirb es, um es zu besitzen.
Was man nicht nützt, ist eine schwere Last” (J. W. Goethe, Faust l. Teil)
In der Gemeinde Schwerz findet man ein Gebäude, welches sich so völlig von allen anderen, ländlich geprägten Wohn- und Wirtschaftsgebäuden unterscheidet - das ehemalige Wohnhaus des Rittergutes Schwerz. Der letzte Rittergutsbesitzer, Franz Dippe, erwarb im Jahre 1890 die ausgedehnten Ländereien im östlichen Saalkreis. Bereits ein Jahr später ließ er sich am Dorfrand von Schwerz, nahe der Strengbachaue, ein neues Wohnhaus errichten.
Über den Baumeister ist nichts bekannt, jedoch deutet der Gebäudetypus einer Fabrikantenvilla daraufhin, dass ihm die Beispiele gründerzeitlicher, gehobener Wohnkultur durchaus vertraut gewesen sein müssen. Die städtisch anmutende Villa steht als Zeugnis großbürgerlichen Standesbewusstseins des Bauherrn, auch im ländlichen Bereich.
Das Gebäude ist ein zweigeschossiger repräsentativer Putzbau im Stil der Neorenaissance, umgeben von einem schönen Garten mit altem Baumbestand.
Im Erdgeschoss ist seit vielen Jahren die Kindertagesstätte untergebracht. Die großen, hellen Räume bieten hier ca. 30 Kindern Platz zum Spielen. Im vergangenen Jahr hat die Gemeinde den Sanitärbereich umgebaut und den zentralen, Flur neu gestaltet. Jedoch sind noch viele Sanierungsmaßnahmen erforderlich, um dem denkmalgeschützten Gebäude wieder zu seinem ursprünglichen Glanz zu verhelfen. Insbesondere die Fassadensanierung steht dringend an, jedoch kann die Gemeinde diese Aufgabe ohne Fördermittel nicht allein bewältigen. Da die beste Voraussetzung für einen nachhaltigen Denkmalschutz - ganz im Sinne des eingangs erwähnten Goethe- Zitats- eine Nutzung ist, soll das Gebäude zu einem Gemeindezentrum ausgebaut werden. Im Kellergeschoss wurde bereits ein Raum für Ausstellungszwecke hergerichtet. Im Obergeschoss können Räumlichkeiten für Vereinsarbeit und Freizeittätigkeit der Kinder und Jugendlichen genutzt werden. Ein Funkerverein bezog bereits Quartier. Der ehemalige Festsaal soll für verschiedene Aktivitäten wie Gemeindeveranstaltungen, Feierlichkeiten u. ä. den Schwerzern und Dammendorfern zur Verfügung stehen.
Unter zwei nachträglich eingebauten Unterhangdecken aus den 50er- und 70er Jahren befindet sich noch die bauzeitliche Stuckdecke. Zur 800-Jahr- Feier im Sommer 2005 konnte den Schwerzer Bürgern ein Teil davon bereits gezeigt werden, mittlerweile wurde die gesamte Decke freigelegt. Der Deckenspiegel mit ausgeformter Mittelrosette und floralen Eckmotiven wird von einem gemalten Ornamentfries gefasst. Den Übergang von der Decke zur Wand bildet ein umlaufendes Stuckrelief mit plastischer figürlicher und floraler Ausgestaltung. Die originale Farbigkeit ist noch sehr gut nachvollziehbar. Der kunsthistorische Wert besteht einerseits in der handwerklichen Ausfertigung, andererseits in seiner Seltenheit, Vergleichbare, noch erhaltene Decken dieser Art gibt es nur noch wenige im Saalkreis.
Die Decke befindet sich in einem relativ guten Zustand, dank der in den 90er Jahren erfolgten Dachinstandsetzung ist die Gefährdung durch eindringende Feuchtigkeit nicht mehr gegeben. Jedoch ist eine restauratorische Grundsicherung erforderlich. Dazu gehört das Reinigen und Verfestigen des Putzgrundes und nachfolgend, die Ergänzung der beschädigten Stuckelemente.
In einem zweiten Schritt ist dann die Originalfarbigkeit aufzuarbeiten. Dafür werden Gelder benötigt. Die Gemeinde bemüht sich, Sponsoren aus dem gewerblichen und institutionellen Bereich zu gewinnen. Aber auch interessierte Bürger können sich mit kleinen Beträgen an der Erhaltung dieses Kleinodes in ihrer Gemeinde beteiligen. Wer spenden will, kann dies auf das folgende Konto tun:
Stadt- und Saalkreissparkasse Halle
Sabine Schütz
Architektin
i.A. der Gemeinde Schwerz