Geschrieben von: Steffen Marx Samstag, 20. September 2008
Die ca. 50000 Jahre alten Funde im Gebiet des Petersberges und z. T. noch ältere Funde im Fuhnetal beweisen, dass in der ausgehenden Eiszeit bereits Menschen unsere Gegend durchstreiften.
Direkt auf dem Gebiet von Schwerz sind eine Siedlung der „Bandkeramiker” (Anm.1) mit ihren typischen bis zu 40 Meter langen Langhäusern und mehrere Hügelgräber aus der Bronzezeit nachgewiesen. Das auf einem Luftbild [2b] östlich von Schwerz noch erkennbare Langhaus war etwas mehr als 30 Meter lang. Die „Bandkeramiker” waren etwa ab 5500-4900 v. Ch. in Mitteleuropa (Jungsteinzeit) ansässig.
Anmerkung 1: Als die Bandkeramische Kultur, Linearbandkeramische Kultur oder LBK wird eine der ältesten bäuerlichen Kulturen der Jungsteinzeit in Mitteleuropa bezeichnet. Die Bezeichnung Bandkeramik leitet sich von der charakteristischen Verzierung der keramischen Gefäße mit einem Bandmuster aus runden und eckigen Spiralbogenlinien ab [30].
Auf dem Windmühlenberg in Dammendorf wurden bei mehreren Grabungen ebenfalls Beweise für eine derart frühe Besiedelung entdeckt. Bei Ausschachtarbeiten stießen 1936 Arbeiter auf Tongefäße, die der Zeit der Linienbandkeramik zuzuweisen sind. Im Landsberger Heimatmuseum „Bernhard Brühl” sind außerdem neben 2 Steinbeilen aus unserer Gegend, eines davon vom Schwerzer Berg, auch ein Fundstück aus der Glockenbecherkeramik
(2800-2200 v. Ch.) zu sehen [2a].
In der Sammlung von Ferdinand Keller, aufbewahrt an der Friedrich Schiller Universität Jena findet sich ein weiteres Steinbeil aus unserer Gegend. Der genaue Fundort und das Datum des Fundes sind nicht dokumentiert. Infrage kommt aber, der Entstehung der Sammlung gemäß, immerhin der Zeitraum von Mitte 19. Jahrhundert bis Mitte 20.Jahrhundert. Es ist auch nur als ungefährer Fundort der Ortsteil Gödewitz angegeben [55]. Bemerkenswert an diesem Fund ist vor allem das Material des Beiles. Es handelt sich um das Gestein Amphibolit [55]. Dieses Gestein kommt in unserer Gegend nicht vor. Die nächstgelegenen Vorkommen liegen im Erzgebirge und im Spessart. Ob es also von einer durchziehenden Gruppe von Menschen verloren wurde oder durch Handel in unsere Gegend zu schon sesshaften Bewohnern (z.B. den Bandkeramikern) kam ist unbekannt.
Der bedeutendste archäologische Fund auf dem Gebiet von Schwerz ist sicher der Fund eines Bronzehortes im Jahre 1934 (siehe Jahr 1934).
1966 wurde auf dem Windmühlenberg beim Anlegen eines Spargelbeetes eine Grabstelle angeschnitten. Gefunden wurde die Grabstelledurch Kurt Leißner aus Dammendorf. Es handelt sich, nach der Datierung der Fundstelle gemäß der Unterlagen von 1966, um die Brandbestattung einer Frau aus der Latenezeit (Anm.2). In der stark zerstörten Urne fand sich eine völlig erhaltene 30 cm lange Haarnadel aus Bronze mit einem profilierten, besonders verzierten Kopfteil [2a]. Um diese Zeit siedelten nach einigen Angaben hier im Gebiet auch keltische Stämme [30].
Anmerkung 2: Latenezeit ist der Zeitraum der späten Eisenzeit nach einem Leitfundort in der Schweiz- La Téne (500 v. u. Z. bis etwa Jahr 0) [30].
Um das erste Jahrtausend nach Christus war die Landschaft um den Strengbach von weiten Sümpfen, Teichen aber auch Bachauen geprägt. Für die Zeit bis etwa 600 n. Christus gibt es nur wenige Belege über die Art der Besiedelung unseres Gebietes. Germanische Stämme der Sachsen, Angeln und Thüringer kommen dafür in Betracht. Ab etwa 600 wanderten in unser Gebiet vorwiegend slawische Stämme, vor allem Sorben (oder auch Wenden genannt) ein. Sie wanderten aus Richtung Osten kommend, etwa bis zur Saale [18].
Einen weiteren archäologischen Befund auf dem Hügel zeigt das folgende Luftbild. Auf diesem Hügel befand sich eine slawische Ringburg (auf dem Foto als grüner Ring rechts neben der Bildmitte erkennbar). Die ehemalige Hausanlage deutet sich in der Mitte als dunkelgrüner Fleck an. Eine genaue Datierung der Ringburganlage ist noch nicht erfolgt, aber sie ist vermutlich in den Zeitraum zwischen dem 7. und 10. Jahrhundert einzuordnen. Eine zweite Burganlage, auf diesem Bild weniger gut zu erkennen, befindet sich am oberen linken Rand des Bildes.
Es ist noch nicht untersucht worden, ob die beiden nachgewiesenen Ringburgen auf unserem Gebiet zeitgleich oder in zeitlichem Abstand bestanden haben. Auch die Zeitdauer der Nutzung der Burgen ist bisher nicht bekannt. Dadurch kann auch nicht unbedingt auf einen Zusammenhang der Burganlagen mit der Entstehung der Ortschaften in unserem Gebiet geschlossen werden. Vielleicht gab es noch Zeiträume ohne Besiedelung zwischen den Burganlagen und der endgültigen Entstehung der heutigen Ortschaften. Da aber Schwerz und Dammendorf nachweislich slawischen Ursprunges sind, besteht eine gewisse Wahrscheinlichkeit, dass in diesen Burganlagen die eigentlichen Anfänge von Schwerz und Dammendorf liegen.
Auf dem Luftbild ist weiterhin ein Siedlungsrest, wahrscheinlich aus der Jungsteinzeit, dicht an der Straße in Richtung Schwerz zu erkennen (die dunklen Flecken im hellen Abschnitt). Damit ist eine zumindest häufige Besiedelung des Hügels seit der Jungsteinzeit auch von verschiedenen Kulturen nachgewiesen. Offensichtlich verlockten die gemeinsamen Vorteile der Geländeerhebung mit der Nähe eines Bachlaufes seit langer Zeit die Menschen dort zu siedeln. Diese Annahme wird durch weitere archäologische Funde von 1915, 1936 und um 1975 bestätigt [2a].
Die Sorben „gründeten” in unserem, östlich der Saale gelegenen Gebiet, die meisten heute noch bestehenden Orte. Davon zeugen die zahlreichen slawischen Ortsnamen in unserer Gegend. Der Strengbach bildete die Grenze zwischen den slawischen Gauen Neletici (wahrscheinlich Hauptort Nehlitz) und Zitici (Hauptort Zörbig). Diese Gaue (Anm.3) sind als Kleinstammbezirke mit regionaler Bedeutung zu sehen [18]. Schwerz war also möglicherweise ein Grenzort zwischen diesen Gauen [3].
Anmerkung 3: Diese Gaue wurden in mehreren Schenkungsurkunden (u.a. 965 an das Moritzkloster in Magdeburg) von Kaiser Otto I. (936-973) erwähnt und waren damit schon damals nachweislich unter deutscher Oberherrschaft.
Der Heimatforscher Baron Schultze-Gallera begründet die Entstehung von Schwerz wie folgt: Vor allem aber war wohl der Schwerzer Berg ein Grund für das Bestehen der Ortschaft, denn er war der Mittelpunkt des Radegast-Kultes der Slawen. Radegast war der Kriegs- und Sonnengott der Sorben und hatte in seiner Eigenschaft als Hüter der Fluren den Beinamen „Swirsin” bzw. „Swirin”. Daraus leitet sich eine Erklärung des Namens des Ortes ab, der in einer Urkunde von 1205 als Zwirze erstmals schriftlich auftaucht und als „Heiligtum des Radegast” gedeutet wird (Anm.4). Durch Lautumbildung wurde auf dem Weg vom Althochdeutschen über das Mittelhochdeutsche „Swerze” schließlich „Schwerze” (dieser Name wurde noch bis 1878 im Kirchensiegel verwendet, während der Gemeindevorsteher um diese Zeit bereits die heutige Form „Schwerz” im Amtssiegel benutzte) [3].
Anmerkung 4: Im Saalkreis gibt es eine Reihe gesicherter slawischer Kultstätten. Ob der Schwerzer Berg als „Zentralheiligtum” des Radegast-Kultes der Slawen diente und damit Namensgeber des Ortes ist, wie in der Aussage von Schultze-Gallera impliziert, ist anzuzweifeln. Es gibt auf dem Berg keine archäologischen Funde oder weitere, schriftliche Belege. Auf dem Berg wurde nur ein Steinbeil aus der Steinzeit gefunden (dieses ist zu besichtigen im Museum Landsberg). Das schließt obige Aussage natürlich auch nicht aus. Der Steinbruch hat, falls sie vorhanden gewesen sind, alle möglichen Spuren vernichtet.
Eine andere Deutung des Namens von Schwerz bezieht sich auf den slawischen Namen für Grille „svirc” oder die slawische Bezeichnung für Nadelbaum (oder auch Fichte, Tanne) [4].
Nach [4] gibt es folgende bekannte ältere Schreibweisen des Dorfnamens von Schwerz: 1205 Zwirze - 1214 Swirz - 1222 Zwerz - 1242 Swrz - 1271 Swerce - 1302 Suirz - 1458 Swertz - 1549 Schwertz (Schwärz).
Die Entstehung der heutigen Siedlung Schwerz fällt wahrscheinlich in das 8-10. Jahrhundert als Rund- oder auch Platzdorf nach [3]. Neuere Schriften vertreten allerdings die Ansicht, dass Schwerz ursprünglich ein Sackgassendorf gewesen ist [18]. Dann wäre der alte Ortskern die heutige Karl Mehne Straße (als Sackgasse) mit dem Zugang von Osten her, etwa an der Kirche. Im 9. Jahrhundert gab es viele Kämpfe zwischen den fränkischen Königen und den slawischen Stämmen. Ob das hiesige Gebiet davon auch direkt betroffen war, steht offenbar in der Geschichtsforschung nicht fest. Danach scheint es im 10 Jahrhundert im Raum östlich der Saale ruhiger zugegangen zu sein. Es gibt aus dieser Zeit nur wenige schriftliche Quellen zu unserem Gebiet. Eine friedliche Durchmischung der Bevölkerung ist nach [3, 18] anzunehmen.
Diese Durchmischung begann nach dem Slawenfeldzug des Königs Heinrich I. im Jahre 929. Der Feldzug brachte das Gebiet zwischen Saale und Elbe unter deutsche Herrschaft. Der große Slawenaufstand von 983 ging an unserem Gebiet vorbei [36]. Es erfolgte die Eingliederung unseres Gebietes in den deutschen Feudalstaat und damit eine Neuaufteilung in Gaue und Burgwarde, wodurch Schwerz (oder das Gebiet) zum Burgwardsbezirk Niemberg gelangte.
Nach dem die Deutschen unser Gebiet in Besitz genommen hatten, bildeten sich in den Dörfern vorerst so genannte Schulzenlehen oder Sattelhöfe (Anm.5). Die slawische Bevölkerung blieb in den Orten.
Anmerkung 5: Ein Sattelhof war ein Gehöft eines Freibauern, welches im Mittelalter und der frühen Neuzeit im Kriegsfall und für berittene Boten ein gesatteltes Pferd und einen bewaffneten Reiter zu stellen hatte. Diese Bereitstellung war sehr kostspielig, aber mit diversen Privilegien verbunden. So war der Sattelhof von bäuerlichen Abgaben und Diensten freigestellt. Die ursprüngliche Pflicht des Stellens des Reiters konnte später durch Zahlung einer Abgabe abgedungen werden. Größere Sattelhöfe hatten zum Teil auch mehrere Pferde und Reiter zu stellen. Solche Höfe wurden als Sattelgüter bezeichnet. Der Name selbst leitet sich vom Wort „sedilhoff” ab, was eigentlich Siedelhof bedeutet hat und erst später Sinn treffend an die Aufgaben des Hofes „Sattelhof” umgedeutet wurde [18, 30].
Etwa im 11. oder 12. Jahrhundert wurde die Kirche von Schwerz gebaut. Das legt zumindest der romanische Grundbaustil des ältesten Teiles der Kirche, der untere Teil des Turmes, nahe. Schriftliche Belege über die Bauzeit und dem Namen der Kirche gibt es jedoch nicht. In späteren Schriften wird sie Marienkirche genannt (siehe Jahr 1503). Die meisten Kirchen dieser Zeit (die Zeit der Christianisierung unseres Gebietes) heißen jedoch „Peter und Paul” [15].
Um 1150 siedelt Erzbischof Wichmann aus Magdeburg deutsche Bauern in unserem Gebiet an. So soll Spickendorf nach einem Anführer der Kolonisten, Spitta, benannt sein [38].
Im 12. Jahrhundert vollzog sich in der landwirtschaftlichen Produktion ein grundlegender Wandel durch die Durchsetzung der Dreifelderwirtschaft und die Einführung der eisernen Pflugschare gegenüber dem bisherigen Hakenpflug. Immer mehr wurde der Wald zurückgedrängt, Sümpfe trockengelegt und das neu gewonnene Land den beherrschenden Familien zu eigen gegeben. Kurz, es entstanden völlig neue, differenzierte Besitz- und Abhängigkeitsverhältnisse. Entlang des Strengbaches waren um diese Zeit sehr viele, meist kleine Orte entstanden. Einige der später zum Teil wieder verlassenen Orte (Wüstungen) können auch nur noch ungefähr lokalisiert werden.