Geschrieben von: Steffen Marx Samstag, 20. September 2008
Über die genaue Zeit der „Gründungen” der in unserer Gemarkung entstehenden Orte gibt es keine schriftlichen Belege. Die derzeitig bekannten und gesicherten Daten einer urkundlichen Erwähnung sind im Folgenden aufgeführt.
In der schon erwähnten Urkunde von 1205 wird ein "Otto de Zwirze" (Otto von Schwerz) genannt. Er ist ein Sohn von Hermann von Landsberg, dem Kämmerer der wettinischen Markgrafen. Otto von Schwerz war damit möglicherweise (Lehns?-) Herr des Ortes und des Gutes. Weitere Informationen zum Ort enthält die Urkunde nicht [1]. Damit ist eigentlich nur die Existenz des Ortes für diese Zeit belegt.
1315 Erwähnung von Göttlitz (Otto von Götelitz). Näheres dazu ist nicht bekannt [15].
1370, Juni, Erzbischof Albrecht der III. belehnt Wole (Waldemar oder Wolf) von Throtha (gest.1375 [52]] und seine Brüder mit 3 Höfen in „Wernstorp”. Wernsdorf wird damit als erstes von ehemals 4 Orten im Gebiet der heutigen Gemarkung Dammendorf erwähnt. Es war wahrscheinlich eine deutsche Gründung des 10. oder 11 Jahrhunderts. Der Ort verödete schon wieder nach 1400 [15]. Die Familie von Throtha, hatte wie der Name schon sagt, seinen Stammsitz auf der Burg Trotha bei Halle [52].
Dammendorf wurde 1371 als „Tammendorf” (1382 Tammyndorff - 1755 Dammendorff) erstmalig urkundlich erwähnt. Im Gegensatz zum slawischen Namen von Schwerz ist der Name Dammendorf deutschen Ursprungs und bedeutet „Dorf des Tammo = des Denkers”. Tammo ist eine Koseform des deutschen Namens Thankmar [4]. Trotzdem hat auch Dammendorf slawische Wurzeln. Das belegt die Grundform des Dorfes in der heutigen Blumenstraße als Sackgassendorf. Es besaß ebenfalls frühzeitig zumindest eine Kapelle, da auch ein Patronatsrecht belegt ist [3].
Bereits 1371 gab es in Dammendorf zwei erzbischöfliche Ministerialen: die Herren von Trotha besaßen das Recht am Dorf und die Herren Fritz und Johann von Mücheln (Mücheln in der Nähe von Wettin [6]) das Patronatsrecht an der Dammendorfer Kirche. Sie haben auch einen ½ Hufen Land (Anm.6) in Schwerz [3].
Anmerkung 6: Als eine Hube (auch Hufe) wurde seit dem Frühmittelalter ein Bauerngut oder Gehöft mit ausreichenden Acker- und Weideflächen bezeichnet, die eine Familie bearbeiten und von der sie sich ernähren konnte. Im Laufe der Zeit - etwa ab dem 15. Jahrhundert - wurde aus der Hube eine Mischgröße aus Flächenmaß und Ertragfähigkeit des Bodens, von der auch die Steuern an die Grundherrschaft und allfällige Dienste abhingen. Dementsprechend variierte die Fläche je nach Land und Bodentyp von etwa 5 bis 30 Hektar (10-50 „Tagbaue” oder auch „Joch“). Die preußische Hufe vor 1793 betrug z.B. 16,5 ha. Das Magdeburger Flächenmaß (in Preußen ab 1793 gültig) 1 Hufe = 30 Morgen= 7,659ha [30].
Durch diese Differenzen kann heute nicht genau ermittelt werden, wie groß die damals erwähnten Besitzungen in heutigen Flächenmaßen waren.
Ebenfalls auf 1371 fällt die erste Erwähnung von Grintzena in der Nähe (nördlich) des Schwerzer Berges. Am 18 Juni erhält Kuno von Beesen 2 Hufen in Grintzena von Erzbischof Albrecht III. Es ist eine relativ große Siedlung, ca. 18 Hufen und 12 Höfe, die jedoch ebenfalls ab 1400 wieder verödet. In Grintzena gibt es auch 3 Freihöfe die frei von öffentlichen oder grundherrlichen Abgaben bzw. Diensten waren [15].
Gödewitz, ehemals eigene Ortschaft, heute Teil von Dammendorf, wird erstmals in einem Besitznachweis eines „Kuno (Cunoni) von Götewitz” des nahen Dorfes Friedersdorf 1371 (Anm.7) genannt. Er kauft in Fredersdorf („Frederikesdorp”) einen Hof von Thilo Kröcher. Dieser Hof gehörte zur „Leibzucht der Margarete, Thilos Gattin” [14] und war einer von 8 Höfen in Friedersdorf die Thilo Kröcher in diesem Jahr verlor. Die anderen 7 Höfe gingen an Johann von Hohenthurm [3]. Die Herren von Gödewitz waren erzbischöfliche Ministeriale (=Beamte), die auch in anderen Orten der Umgebung Besitz hatten, so 1397 in Spickendorf, Eismannsdorf und in Wurp. Ihr Stammsitz ging aus dem Sattelhof hervor. Die Familie wird mehrmals in Kauf- und Belehnungsurkunden genannt.
Der eingedeutschte Name des Ortes geht wahrscheinlich auf das slawische „Guetovic” zurück, was soviel wie „offenes bzw. freies Feld” bedeutet. Dies mag sich auf die in Richtung Niemberg offene Sackgasse beziehen, denn nur an dieser Stelle war der Ort nicht durch Sümpfe geschützt. Zudem darf hier der Zugang von Niemberg vermutet werden, in dessen Einzugsbereich der sich dort befindlichen größeren Burg (Burgstetten) Gödewitz lag [3].
Bemerkenswert ist, dass die Dammendorfer auch heute noch von Gödewitz stets als dem „alten Dorf” sprechen. Auch Gödewitz ist in seiner Grundform ein Sackgassendorf [3]. Alte bekannte Schreibweisen nach [4] sind: 1371 Goetewitz - 1417 Goetewitze - 1549 Gotewiz - 1755 Goedewitz.
Anmerkung 7: Die Häufung der Ersterwähnungen um das Jahr 1370/71 ist einfach zu erklären. Erst ab der Zeit um 1370 beginnen die Lehnbücher der Magdeburger Erzbischöfe [18]. So sind die große Anzahl Ersterwähnungen dieser Zeit alle Besitznachweise in den Dörfern. Die Orte selbst bestehen schon deutlich früher.
Bei Schwerz ist die Ersterwähnung im Jahre 1205 kein Besitznachweis, da es in der Chronik vom Petersberg (damals Lauterberg) eigentlich um die Geschichte der Wettiner geht. In dieser Chronik ist nur ein Otto aus Schwerz erwähnt. Es ist nicht beschrieben, in welchem Verhältnis er zum Ort stand, bzw. welche Funktionen oder Besitzungen er im Dorf hatte! Die Vermutung, er wäre Herr des Ortes gewesen liegt nahe, da er als Sohn Herrmanns von Landsberg Mitglied der Wettiner Adelsfamilie war, ist aber in dieser Chronik nicht belegt [29].
Für die in einem Zeitungsartikel von 1962 erwähnten „Wasserburg” in der Nähe des Rittergutes konnten in der Literatur ebenfalls keine Belege gefunden werden und ist als eine nicht belegbare Behauptung anzusehen.
Friedersdorf, damit ebenfalls 1371 zuerst erwähnt, könnte eine Gründung des Grafen Friedrich von Brehna (1142-1182) sein. Dieser war der 5. Sohn des Markgrafen Conrad der Große.
Der Ort soll ein „Kirchdorf“ gewesen sein, das heißt das Dorf diente zur Versorgung einer Kirche [15].
Bereits ein Jahr später haben die Brüder Fritz und Johann von Mücheln (Mücheln in der Nähe von Wettin [6]) auch Besitzungen in Schwerz und das Patronalrecht der Kirchen in Schwerz und Dammendorf sowie alle Gerichtsbarkeit im Ort Schwerz. Das bleibt so bis 1398, denn zu dieser Zeit hatte sich aus dem alten Hof sowie der Lehen der Herren von Schwerz und zwei Sattelhöfen das Rittergut (Anm.8) Schwerz entwickelt. Wie groß der Besitz derer von Mücheln wirklich war, geht daraus hervor, dass Schwerz um 1400 aus nur 10 Häusern bestand [3].
Anmerkung 8: Ein Rittergut (lat. praedium nobilium sive equestrium) war ursprünglich ein Landgut, dessen Eigentümer Ritterdienste, ursprünglich persönliche Leistungen, später auch Geldleistungen (Ritterpferdsgelder) leistete und aus diesem Grund einige Vorrechte genossen. Diese Vorrechte, deren Besitz ursprünglich Ritterbürtigkeit bedingte, wurden mit der Zeit als Zubehör der Rittergüter selbst angesehen (nobilitas realis). Zu ihnen gehörten u.a. Befreiung von bäuerlichen und öffentlichen Lasten (Steuern, Einquartierung, Fronen etc.), zu denen der Ritterdienst ehemals als Äquivalent gegolten hatte, ferner Landstandschaft, Patrimonialgerichtsbarkeit, Jagdgerechtigkeit, Fischerei, Baugerechtigkeit, Mühlenzwang und andere Bannrechte. In späterer Zeit wurden diese Vorrechte beseitigt. Währenddessen ursprünglich nur Adlige Rittergüter besitzen konnten, durften später auch Bürgerliche dergleichen erwerben [30].
Schon 1381 ist in Belehnungsurkunden von freien (=wüsten) Höfen in Wernsdorf die Rede. Nikolaus von Trotha erhält 3 freie Hufen und zwei Höfe von Erzbischof Ludwig, Markgraf von Meißen [15].
1398 Hans und Heinrich von Mücheln verfügen über die Gerichtsbarkeit in Schwerz, 11 Hufen Land und 4 Wiesen [3].