Wappen

Schwerz im Saalekreis

Bis Mitte 20. Jahrhundert

Schwerz 1901 von 97 Kindern im Dorf erkranken 75 an Scharlach, Diphtherie und. Masern, davon sterben 23, 1906 sterben 16 (meist unter 6 Jahren) [7]. Damals kam es häufig zu Ausbrüchen von ansteckenden Krankheiten. Die Schulchronik berichtet auch über Schulschließungen wegen Krankheiten in dieser Zeit [9a].

 

Rittmeister Franz Wilhelm Rudolphi verpachtet das Rittergut Dammendorf im Jahre 1900 an die Zuckerfabrik Radegast und zieht nach Halle [8b]. Er stirbt im Januar 1929 in Naumburg. Nach einer Chronik von 1937 ist er in der Dammendorfer Kirche an der Ostwand beigesetzt [9c]. 

Im Jahre 1902 wird im nur 7 Jahre alten Anbau des Schulhaus Schwerz eine Bekämpfung des Hausschwammes notwendig [38].

Im Jahre 1902 befindet sich in Schwerz die Kanalisation im Aufbau. Das wird im Zusammenhang mit der schweren Scharlachepidemie an der Dorfschule  im Jahre 1901 erwähnt [9a].

1903 neuer Bürgermeister in Schwerz ist Gutsbesitzer Heinrich [38].

Im Dezember 1903 wird der Standesamtsbezirk Schwerz von Schwerz nach Spickendorf verlegt. Standesbeamter ist Gutsbesitzer O.Creutzmann, Stellvertreter des Königlichen Amtes wird Lehrer Bäßler. Er wird später wegen Anmaßung abgelöst. 1907 wird das Amt nach Dammendorf verlegt [38].

Im Jahre 1903 wurde in Dammendorf eine Stiftung errichtet. Zu Ehren der Stiftungsgeber wurde diese Weil-Reisshauer Stiftung genannt. Sie hat als Stiftungszweck soziale Unterstützung Bedürftiger und die Bewahrung der Grabstätten der Familie Weil [10].

1904 gibt es 75 Schüler in Schwerz [10].

1905 betragen die Ernteerträge in der Landwirtschaft. Des Landkreises Delitzsch (in Zentner/ha) (Anm.37)[38]

  • Winterweizen 49,2
  • Sommerweizen 0,8
  • Kartoffeln 328,4
  • Winterroggen 38,4
  • Sommerroggen 17,6
  • Zuckerrüben 702

Anmerkung 37: Der heutige Ertrag liegt etwa 2- bis 4-mal höher! 

Der Strengbach bei Schwerz, Zeichnung um 1900-1920 (heute Uferweg in Richtung Dorfteich)

1905 gibt es eine Schlägerei unter den Arbeitern des Steinbruches in Schwerz wegen Lohndifferenzen. Der Streit setzt sich 1908 fort. Einheimische Arbeiter „schlagen den Direktor schwer zusammen”. Dafür gibt es Haftstrafen für 8 Arbeiter jeweils 2 Jahre und 6 Monate. Es wird auch gestreikt. Die italienischen Arbeiter fordern eine Stundenlohnerhöhung für Akkordarbeit von 60 auf 70 Pf, der Direktor lehnt wieder ab [38].

Das Dammendorfer Gut erwarb 1906 die Familie Humbert, die es bis zur Enteignung durch die Bodenreform 1945 besaß. Zuerst Dr. Gustav Humbert senior. Privatgrabstelle der Familie Humbert 2005Dieser starb am 15.Januar 1929, danach erbte es dessen ältester Sohn (der Name ist ebenfalls Gustav Humbert). Gustav Humbert sen. war vorher Pächter vom Oberamt Schraplau. Verheiratet war er mit Luise Humbert geb. Kalkov [9]. Sein Betrieb durfte den Titel „Anerkannte Saatbauwirtschaft der Landwirtschaftskammer Halle an der Saale” führen. Er widmete sich auch der damalig beginnenden Anwendung neuer, gezüchteter Getreidesorten darunter auch dem bekannten Petkuser Roggen [56]. 1937 bewirtschaftete das Gut 304 ha davon 277 ha Ackerland mit 71 Beschäftigten. Dabei handelt es sich auch zum Teil um Pachtland in Eismannsdorf [8b]. Im Dammendorfer Park befinden sich auch der Privatfriedhof der Familie und die durch eine Baumreihe umfasste Stelle eines alten Eiskellers aus dieser Zeit.

Der bekannte Stammbaum der Familie Humbert:

Gustav Humbert senior
geb 1.10.1850 gest. 15.1.1929 verheiratet mit Luise geb. Kalkov
5 Kinder:   
1. Luise geb 16.10.1880, gest. 15.3.1915  verh. mit Dr. Kaerupf  
   aus Magdeburg   zwei Kinder
2. Gustav junior geb. 16.1.1882 verh. mit Margarete Maquet aus Siegelsdorf
   vier Kinder
3. August geb. am 13.8.1885, gefallen am 10.7.1918  verh. mit Lotte Ehlert
   Zwei Kinder: Eva Humbert cand.med. und Jochen Humbert
4. Therese geb. 1.6.1880 verh. mit Ther Klepp  aus Kleinparchleben
   vier Kinder
5. Wilhelm geb. 23.11.1896 verh. mit der Witwe seines Bruders August Lotte Humbert.geb. Ehlert,
    war Landwirt in Neehausen (bei Höhnstedt)

Gustav Humbert  junior
geb. 16.1.1882 verh. mit Margarete Maquet aus Siegelsdorf
4 Kinder: 
1. Gustav  geb 29.9.1910 Dipl. Landwirt
2. Günter geb. 16.8.1913 Theologe
3. Gerhard geb 26.3.1916 Landwirt
4. Margot geb. 23.9.1921

Alle Angaben des Stammbaums stammen aus [8b].

Der Pastor und Ortsschulinspektor von Schwerz Brode stirbt am 19.November 1906 nach 2-jähriger Krankheit. Er wurde am 6.5.1839 in Schönfließ, Brandenburg, geboren. Noch am gleichen Tage beruft Patron Dippe Pastor Gößler, seit 1896 in Dammendorf tätig, in das Schwerzer Kirchenamt. 1914 - 1922 ist er gleichzeitig Pfarrer in Spickendorf [38].

1906 wird die Ortsverbindungstraße zwischen Schwerz und Spickendorf durch Pflasterung befestigt [38].

1907 die Arbeiter des Steinbruches gründen eine SPD Ortsgruppe in Schwerz [38].

Am 7.2.1908 erklärt sich Lehrer Richard Krüger aus Roitzsch schriftlich bereit, den Posten eines stellvertretenden Standesbeamten zu übernehmen. Schwerz hat damals einen eigenen Standesamtsbezirk mit Sitz derzeitig in Dammendorf. Krüger ist dann Lehrer, Küster und Standesbeamter [9a]. 1909 starben seine Frau und seine Tochter. Er wurde am 19.5.1914 „durch Dienstentlassung aus dem Amt entfernt”. Ihm wurde jetzt vorgeworfen, mit seinem Dienstmädchen Gertrud Herbst - zum Zeitpunkt des Vorfalls knapp 17 Jahre alt, geschlechtlich verkehrt, und es geschwängert zu haben (was er später zugab). Außerdem hatte er Schulden.
Nach umfangreichem Schriftverkehr, Unschuld- und Schuldbekenntnissen kam es zur Entlassung. Die Akte Krüger ist sehr umfangreich, das Verfahren zog sich nach der Entlassung insgesamt noch bis 1922 [9a/ 27].

1908 Im Steinbruch kommt es nach Forderungen nach einer Lohnerhöhung zu einem Streik. Dabei wird der Direktor des Werkes Benkenstein zusammengeschlagen. 8 Arbeiter erhalten daraufhin Haftstrafen von 6 Monaten bis zu 2 Jahren. Es arbeiten auch 40 Italiener im Steinbruch. Sie fordern statt 60 Pfennig pro Stunde Arbeitszeit nun 70 Pfennig [38].

Schreiben des Lehrers und Küsters Gustav Erfurth an der Dammendorfer Schule (Nachfolger seines Vaters Gottvertrau August Erfurth seit 31.5.1880) an Herrn Konsistorialrat Gutschmidt vom 19.2.1908 [9a].

„(Der) Schulknabe Hermann Gommlich Sohn des Landarbeiters Karl Gommlich geb. am 4.4.1897 in Schwerz ist seit dem 19.Mai 1906 sieben Mal in die „Nachweisung der vollzogenen körperlichen Züchtigungen (Strafbuch) (Anm.38) eingetragen werden müssen - wegen Faulheit, Vandalismus, Einbruch und Diebstahl

  • am 19.Mai 1906 vier Stockhiebe auf das Gesäß wegen wiederholter großer Faulheit
  • am 11. Dezember1906 vier Stockhiebe wegen Vandalismus. Gommlich hatte mit seinem 13 jährigen Bruder Otto am 4. Dezember in einem leer stehenden Gehöft arg gewüstet, Staketlatten abgerissen und mit denselben die Fenster eingeschlagen.
  • am 21.Dezember 1906 8 Stockhiebe wegen Einbruchs. Der ältere Bruder Otto hatte in Abwesenheit der Rapsilberschen Eheleute die verschlossene Wohnung aufgeschlossen, und letzterer (Hermann)hat aus dem Schrank des Wohnzimmers eine Taschenuhr gestohlen.
  • am 10.Juni 1907 wegen Tierquälerei, Gommlich hatte mit dem Schulknaben M. Rolle aus dem Nest eines Rotschwänzchenspaares die Jungen geraubt und getötet
  • am 3. September 1907 acht Stockhiebe wegen Rohheit und Misshandlung des Hermann Mathiebe wegen einer geringfügigen Veranlassung durch Schläge schwer traktiert, so das Erwachsene sich darüber empört hatten
  • am 10. September acht Stockhiebe wegen Diebstahls, Gommlich hatte ein Hufeisen von Bäckermeister Richter gestohlen, für 10 Pfennig verkauft und dafür Zuckerwaren gekauft (mit dem Schulknaben Richard Städel)
  • am 3. Januar 1908 wegen Vandalismus G. hatte am 23.Dezember 1907 auf dem neuen Friedhofe arg gehaust, an Rönnikes Grabdenkmal den Engel ganz zertrümmert und aus dem Krügerschen Denkmal die Flügel des Engels abgeschlagen. Er erhielt von mir 8 Stockhiebe auf das Gesäß”

Lehrer Erfurth schlägt die Einweisung zur Fürsorgeerziehung vor, die Antwort ist nicht bekannt.

Anmerkung 38: Seit 1907 müssen die Lehrer über die Prügelstrafe Buch führen [38]. 

Ein Erdbeben beunruhigt die Bevölkerung in den Orten am 7.11.1908. 7.00 Uhr morgens: Die Betten werden so geschüttelt, dass Schlafende erwachen, Bilder an Wänden schwanken, Gläser klirren. Die Gebäude bleiben schadlos [38].

Fahne des MännergesangvereinsGründung des Männergesangsvereines Schwerz im Jahre 1910. Der Verein existiert mindestens bis 1929. In der Schulchronik von Dammendorf wird schon 1896 ein Männergesangsverein erwähnt, mehr ist dazu allerdings nicht bekannt [7, 38].

Durch Abwanderung der Landbevölkerung in die Industriegebiete Halle und Bitterfeld mit besseren Verdienstmöglichkeiten kam es bis 1910 zur Reduzierung der Einwohner in Schwerz auf 412 und in Dammendorf auf 318 [3].

Aus den Landsberger Nachrichtenblatt vom 21.5.1910 zum Kometen Halley (Anm.39).

„Die Kometennacht ist vorbei mit ihren unzähligen Schrecken, mit der allgemeinen Weltkatastrophe, und wir leben alle noch” (38).

Anmerkung 39: Der Astronom Halley hatte die Wiederkehr des Kometen berechnet und vorhergesagt. Es war auch schon bekannt, dass der Kometenschweif Cyanverbindungen enthielt und die Erde sich durch denselben hindurchbewegen würde. Deshalb kursierte damals in der gesamten Welt, ausgehend von einem Zeitungsbericht in New York, die Ansicht einer Vergiftung der Menschheit durch Blausäure. 

1911 Elektrifizierung des Dorfes Schwerz. Dabei wurde auch das Transformatorenhaus am Dorfteich errichtet [7].

1911 Der Rittergutsbesitzer Dippe verkaufte den Steinbruch Schwerz mit 17,5 ha an ein Konsortium. Bis zu diesem Zeitpunkt hatte er den Steinbruch an den Magdeburger Eisenbahnbau verpachtet [38].

Die Kirche Dammendorf erhält bei einer Renovierung 1914 elektrisches Licht und 4 Jahre später eine neue Turmuhr. Da das Geld der Kirchengemeinde nicht ausreicht (es fehlen 2 600 Reichsmark), nimmt die Kirchengemeinde einen Kredit von Gutsbesitzer und Patron der Kirche Humbert zu 3% Verzinsung. Sicherheit sind die Einnahmen der Pfarrkasse. Unterschrieben haben den Beschluss am 30.6.1915 in Quetz:
Krüger - Ältester
Henze - Ältester
Dr. Humbert - Patron
Richter - Pfarrer und Vorsitzender

Die Genehmigung des Königlichen Konsistoriums der Provinz Sachsen erfolgte am 29.8.1915 [9a].

Das Schotterwerk, die Schwerzer Quarz-Phorphyrwerke, meldet 1914 Konkurs an. Die Produktion kann jedoch weitergehen [38].

1914 unternahm der Lehreramtsbewerber Walter Heinze aus Schwerz mit den Schulkindern ein Geländespiel [38].

Gedenktafel an die Opfer des I. Weltkrieges in Schwerz vor dem Kircheneingang „Mit dem jungen Kollegen Helmsdorf, der nach Dammendorf als Vertreter geschickt worden ist, unternahm ich am Montag, den 23. Februar ein Kriegsspiel auf dem Quetzer Berge. Die Spielidee war wie folgt: Die Dammendorfer besetzten den Quetzer Berg und die Schwerzer stürmen ihn. Um 3 Uhr rückten wir los. Vorher hatte ich meine Schüler durch einen Plan an der Wandtafel genau instruiert. Eine Abteilung unter dem Primus Paul Häder marschierte nach Dammendorf und zwar die Straße bis zu den Quetzer Bäumen und von dort sollte dann auf ein gegebenes Zeichen ein Scheinangriff unternommen werden, um die Aufmerksamkeit des Feindes vom Hauptheer abzulenken. Ich mit dem Gros verfolgte in Eilmärschen den Wiesenweg nach Dammendorf bis in das Dorf Quetz, von wo aus wir die Lage und Bewegungen des Feindes genau beobachten konnten. Jetzt wurde lautlos im Straßengraben der Chaussee nach Beyersdorf entlang gekrochen.
Als wir dann den Steinbruch hinter uns hatten, wurde der Berg mit Sturm genommen. Durch den Scheinangriff abgelenkt, hatten wir nur eine geringe Zahl Feinde vor uns und konnten so mit Leichtigkeit den Sieg erringen. Sieger und Besiegte zogen unter Absingen von Marschliedern nach Hause.”

2 Jahre später, am 9. März 1916 fiel Walter Heinze beim Sturmangriff auf Bethincourt [38].

Im I. Weltkrieg fielen 11 Soldaten aus Schwerz. Diese waren:

  1. ERs. Res. Franke, Franz; am 21.05.1915
  2. Leutnant Gößler, Walter; am 30.05.1918
  3. Grenadier Grube, Otto; am 28.04.1917
  4. Jäger Günther, Otto; am 22.10.1916
  5. Musketier Heinze, Walter; am 09.03.1916
  6. Arm.Soldat Pöhlert, Paul; am 04.08.1916
  7. Jäger Rühlemann, Otto; am 09.06.1918
  8. Grenadier Schröder, Wilhelm; am 12.07.1915
  9. Musketier Schröder, Otto; vermisst am 25.09.1918
  10. Musketier Schulze, Wilhelm; gest. am 04.01.1917
  11. Musketier Schulze, Richard; vermisst. am 16.02.1915

Gedenktafel an die Opfer des I. Weltkrieges in Dammendorf im Innenraum des Kirchenschiffes In Dammendorf gab es 18 gefallene oder vermisste Soldaten:

  1. Füsilier Boost, Friedrich gef. 07.09.1914
  2. Pionier Rappsilber, Franz gef. 13.09.1914
  3. Musketier Schwarze, Paul; gef. 24.09.1914
  4. Gardejäger Krüger, Ernst; gest. 04.10.1914
  5. Gefreiter Spychalski; gef. 12.11.1914
  6. Musketier Fretzer, August; gef. 03.02.1915
  7. Kriegsfreiwilliger Göricke, Willi; gef. 01.04.1915
  8. Musketier Prell, Wilhelm; gef. 03.04.1916
  9. Kriegsfreiwilliger Post, Richard; gef. 01.08.1916
  10. Ers. Reservist Hörhold, Albert; gef. 02.10.1916
  11. Kanonier Lehmann, Max; gef. 01.11.1917
  12. Landsturm Hermann Pitschke; gef. 16.04.1918
  13. Oberleutnant d. Res. Humbert, August; gef. 10.07.1918
  14. Schütze Hennicke, Richard; gest. 15.08.1918
  15. Ulan Fiedler, Max; gef. 30.08.1918
  16. Leutnant d. Landwehr Heinemann, Artur; verm. 15.04.1917
  17. Kraftfahrer Städel, Richard; verm. 03.09.1918
  18. Musketier Würker, Hermann; verm. 26.09.1918

1917 erhält die Kirche Schwerz Stromanschluss. 1918 kommt eine neue Turmuhr in die Schwerzer Kirche, diese wird 1945 und 1999 restauriert [7].

Um 1925 wird in Schwerz die Freiwillige Feuerwehr gegründet. 1927 folgt die Feuerwehr in Dammendorf [7].

30.07.1927 „Heldenehrung” auf dem Schwerzer Berg. Jedes Jahr findet anlässlich des Ausbruchs des I. Weltkrieges ein Aufmarsch von Vereinen aus der Umgebung statt. Daran nehmen die Vereine Stahlhelm, Werwolf, Krieger-, Gesangs- und Handwerkervereine, FFw, vaterländische Verbände und Einwohner teil. Die Gedenkreden halten Dr. Hammer und Oberpfarrer Thiede aus Halle. Insgesamt hat die Veranstaltung ca. 2 000 Teilnehmer [38].

Gasthaus zum ReichskanzlerIn den zwanziger Jahren (genauer ist es nicht bekannt) schließt in Dammendorf, Ortsteil Gödewitz, der Gasthof „Zum Reichskanzler”. Der Anbau des Tanzsaales wird später abgerissen. Das Haus wird nach 1945 als Wohnhaus für Umsiedler benutzt. Danach steht es im Gemeindeeigentum und verfällt. Es ist das heutige Grundstück Ernst Thälmann Straße 4.

Auf den 18.7.1928 datiert ist eine Urkunde die über einen Umbau im Kolonialwarenhandel Richard Hölzner berichtet. Sie wurde hinter einer während des Umbaus zugemauerten Tür hinterlegt. Sie benennt Walter Hölzner als derzeitigen Firmeninhaber, verheiratet mit Anna geb. Berg. Der Umbau kostete 3 500 Reichsmark. Zitat: „Das Geld ist zur Zeit noch knapp, da immer noch die Lasten des Krieges 1914 bis 1918 auf uns ruhen” [42].

Am 15.November 1930 wurde Schwerz und Dammendorf an die Kraftverkehrsstrecke Diemitz- Hohenthurm- Wölls- Petersdorf- Spickendorf- Schwerz- Dammendorf angeschlossen [9a].

Bis 1930 bestehen in Dammendorf zwei Windmühlen. In diesem Jahr wird die Mühle am Anger der Familie Große vormals Henze abgerissen. Es bleibt nur die Mühle der Familie Golling am Windmühlenberg [33].

Etwa 1930-1940, das genaue Jahr ist nicht bekannt:
„Meine Eltern haben eine zeitlang auf dem Reuter Hof gewohnt. Ferner hatte die Bäuerin Reuter noch eine Tochter. Diese ist aber zu allem Unglück eine nicht standesgemäße Verbindung eingegangen und sah sich wohl von den Eltern und der Verwandtschaft eines großen Druckes ausgesetzt. Dieser Druck war wohl so groß, dass die Tochter Selbstmord beging, indem sie sich an Ihrem Bettpfosten aufgehängt hat” [24].

Ab 1933 werden auf dem Schwerzer Berg die Feiern zum 1. Mai begangen. Diese Tradition besteht bis zum Jahre 1962 [38].

In den 1930-iger Jahren hat der Heimatforscher Bernhardt Brühl zum Gedenken an den vor langer Zeit wüst gewordenen Ort Göttlitz an der Zörbiger Straße einen Gedenkstein errichtet. Dieser ist aber um 1970 beim Bau der Tierkörperverwertung Schwerz wieder verschollen nachdem Karl Prinz den Stein zwischenzeitlich wiederhergestellt hatte.

Ansicht eines Teiles des HortfundesIn Dammendorf wird 1933 ein Teil der Dorfstraßen befestigt darunter das Stück von der Strengbachbrücke bis zum Ortsausgang nach Spören, der Kobenteich wird vom Schlamm befreit und erhält eine Betoneinfassung mit einem Saugschacht für die Feuerwehr. Die Kosten übernimmt zu einem Drittel das Arbeitsamt, ein anderer Teil wird auch von der Weil-Reisshauer Stiftung übernommen. Stiftungsvorstände dieser Zeit waren Gutsbesitzer Heinemann und Dorflehrer Erfurth [8d].

Einen bedeutenden Fund macht im Jahre 1934 Herr Sauer aus Schwerz in seinem Garten. Dabei handelte es sich um die etwa 30 Einzelstücke eines vergrabenen Bronzehortes aus verschiedenen Schmuckgegenständen. Der Schatz kommt als Leihgabe des Landesmuseums für Vorgeschichte in das Heimatmuseum „Bernhard Brühl” von Landsberg. Er stammt offensichtlich aus der Bronzezeit (ab ca. 1800 Jahre v. Ch. - 800 v. Ch.) (Anm.40) und stellt keine Grabbeigabe dar. Möglicherweise wurde der Hort als Opfergabe vergraben [1a].

Anmerkung 40: Die Datierung der Bronzezeit in unserem Gebiet ist seit dem Fund und der Datierung der Himmelscheibe von Nebra unsicher und liegt wieder in der Diskussion. Die Leihgabe wurde im Jahre 2012 wieder ins Landesmuseum zurückgeholt, ist also in Landsberg nicht mehr zu sehen. 

1934 wird der Strengbach in Dammendorf reguliert [8d]

Am 20.06.1935 erfolgt ein Aufruf: „Baut Sauerfutterbehälter”. Daraufhin entstehen mehrere Einrichtungen zur Herstellung von Silagefutter in den Dörfern. Die Silagebereitung als Rinder- und Schweinefutter war vorher kaum verbreitet [38].

1936 wird von der Gemeinde Dammendorf die freiwillige Feuerwehr mit 20 Feuerwehrmännern gegründet, dazu schafft die Gemeinde eine Motorspritze für 3076 Reichsmark und 270 m Schlauch an. Es wird ein Feuerlöschbrunnen mit Hydranten angelegt und Ausrüstung für die Feuerwehrmänner beschafft. Auch dabei leistet die Weil-Reisshauer Stiftung einen finanziellen Beitrag [8d]

1936 der Schwerzer Pfarrer hält zur Einweihung der Leichenkapelle auf dem Schwerzer Friedhof eine Rede, es reden auch der Bürgermeister Hengstmann und Bauunternehmer Opitz. Der Kirchenpatron Dippe schließt den Neubau auf. An der Feier nimmt auch der Kriegerverein teil. Im Ortsteil Kneipe wird im Hause Stoye ein Privatabendmahl für Alte und Behinderte gehalten [20].

1937 wird die Dammendorfer Kirche renoviert, nachdem der Wind die Wetterfahne aus Kupfer von 1744 vom Dach geweht hat [8b].

„Zur Zeit wird der Turm repariert, die Arbeiten in luftiger Höhe ziehen manches Auge auf sich, die Wetterfahne vom Jahre 1744 die aus gutem Kupfer besteht, wird wieder hergerichtet, aber nicht verändert; in seiner Kugel werden wir Zeitdokumente geschützt vor dem Wetter einlöten lassen…” [8a].

Gustav Humbert hinterlegt am 29.5.1937 ein Grußwort, eine Auflistung der Gutsbesitzer des Gutes Dammendorf und einen Stammbaum der Familie in die Turmkapsel. Weiterhin erhielt die Turmkapsel ein Geleitwort des damaligen Bürgermeisters Franz Ehmich, und eine Karte des Ortes auf der die Eigentümer der Höfe genannt werden. Den Kindergottesdienst hält der Vikar Günter Humbert. Als zweitgeborener Sohn (Bruder von Gustav Humbert junior) schlug er die Laufbahn eines Geistlichen ein [8b, 8a].

1937 hat Dammendorf 364 Einwohner [8b].
-Es gibt folgende Höfe in Dammendorf [8b]:

  • Emil Heinemann 30 ha
  • Max Lehmann 23 ha
  • Wilhelm Bergmann 15 ha
  • Willy Häder(Schmied) 4 ha
  • Otto Gäricke 15 ha
  • Hermann Elly (Tischler) 6 ha
  • Ernst Bönnicke 11 ha
  • Wilhelm Rapsilber 14 ha
  • Richard Abraham 9 ha
  • Richard Föhre 8 ha
  • Otto Bernhardt (Händler) 4 ha

Dazu kommt noch Gutshof der Familie Humbert mit insgesamt 304 ha bewirtschaftete Fläche. Das Gut verfügte außerdem über 26 Ackerpferde, 1 Reitpferd, 7 Zugochsen, 46 Milchkühe, 11 Fersen, 40 Stück Jungrinder, 4 Zuchtsauen, 10 Mastschweine [8b]

Am 20.09.1938 wird ein „Zweigverein Dammendorf des Vaterländischen Frauenvereins” per Beschluss der Behörden aufgelöst. Das Vermögen des Vereines wird gemäß dem damaligen Gesetz über das Deutsche Rote Kreuz dem Roten Kreuz in Berlin übereignet. Vorstand des Vereines war „Bäuerin Margarete Humbert, geb. Maquet” die Ehefrau von Gustav Humbert jun. und Mutter von 4 Kindern [9b].

Ebenfalls im Jahre 1938 erfolgte auf Anweisung durch das deutsche Reich die Trennung der Lehrer und Küsterstellen. Es wurde auch das Gebäude der Schule in das alleinige Eigentum der Gemeinde übernommen (der endgültige Vollzug der Trennung ist dann erst 1941). Bis dahin war die Kirche für die Lehrerwohnung und die Gemeinde für die Klassenräume zuständig [9a].

Pfarrhaus von Schwerz um 1990Es entstehen 1938 die Kindergärten. In Schwerz zuerst im Pfarrhaus [38]

1938 wird Dammendorf über eine unterirdische „Telegraphenanlage” am Gemeindeweg zwischen Niemberg und Dammendorf an das Telefonnetz angeschlossen [26].

Von 1939-1945 dient der Schwerzer Berg als Stellung einer Flugabwehrscheinwerfereinheit. [38].

Im Dezember 1940 schrieb das Tierzuchtamt Halle einen Brief an den Landrat des Saalkreises zum Betreff: Ziegenbockhaltung folgendes:

„In den Gemeinden Dammendorf, Schwerz und Spickendorf steht für 143 Ziegen nur ein angekörtes Vatertier zur Verfügung. Der Zuchtbock ist dadurch erheblich überlastet. Die Anschaffung eines zweiten Bockes lehnen der Bürgermeister von Dammendorf sowie der Bockhalter aus Stallmangel ab.” [9a]

Der Zuchtwart Franz vom Tierzuchtamt Halle stellte fest dass in den Gemeinden Schwerz und Spickendorf vielfach mit ungekörten Vatertieren gedeckt wird. Die Ursache liegt darin, dass die Bockstation Dammendorf von Schwerz und Spickendorf 3 bis 4 Kilometer entfernt liegt. In diesem Jahr ist noch keine Ziege zum gekörten Bock nach Damendorf gebracht worden. Die Ziegenhalter erklären, dass ihnen der Weg nach Dammendorf zu weit ist und sie daher aus diesem Grunde ihre Ziegen nicht zu diesem Bock bringen wollen. Auch herrschte gerade in der Deckzeit die Maul- und Klauenseuche. Deshalb durften die Ziegen nicht aus dem Ort geführt werden. In Schwerz sind 60 und in Spickendorf 24 Ziegen vorhanden. Die Gemeinden haben also die gesetzliche Pflicht, für die Ausstellung eines Bockes mit Deckerlaubnis A 1 Sorge zu tragen. Auch finanziell bestehen bei dieser Ziegenzahl keine Schwierigkeiten. Eine Bockstation in Schwerz einzurichten, hatte Zuchtwart Franz keinen Erfolg.

„Es wäre dringend ratsam, den Herrn Bürgermeister der Gemeinde Schwerz auf die Notwendigkeit zur Beschaffung eines Vatertieres hinzuweisen. Die Gemeinde Spickendorf könnte vertraglich Schwerz angegliedert werden. Ich bitte, dem Tierzuchtamt über das Ergebnis der dortigen Bemühungen Nachricht zu geben.” [9a]

Nach einem viertel Jahr war dieses Problem aus der Welt geschafft und der Bürgermeister von Schwerz, Herr Hengstmann, schrieb an den Landrat des Saalkreises:

„Es ist jetzt ein Bockhalter hier gefunden worden und zwar der Arbeiter H.G. Als monatliche Entschädigung sind 12,50 RM vereinbart worden.” [9a]

Während des zweiten Weltkrieges werden die beiden großen Glocken aus der Schwerzer Kirche entfernt und zur Kriegsproduktion eingeschmolzen. Der Krieg ging trotzdem verloren.
Über die menschlichen Opfer des Krieges von Schwerz und Dammendorf liegen derzeitig keine schlüssigen Informationen vor.

Anfang 1945 wird ein deutsches Flugzeug von amerikanischen Jägern abgeschossen. Es zerschellt zwischen Schwerz, Spickendorf und Zörbiger Straße, der junge Pilot stirbt [38].

16.5.1945 Besetzung unseres Gebietes durch amerikanische Soldaten [38]. Bürgermeister in Schwerz ist Herr Hengstmann. Er wird später als Kriegsverbrecher eingestuft (warum und mit welchen Konsequenzen ist nicht bekannt). Im Juli verlassen die Amerikaner das Gebiet. Es zieht die sowjetische Armee als Besatzungsmacht ein.

Am 11.10.1945 wurde gemäß der Verordnung über die Bodenreform (vom 3.9.1945) in der sowjetischen Besatzungszone das Land des Rittergutes (insgesamt 213 ha) aufgeteilt [26] und die Eigentümer ausgewiesen [37c]. Als Treuhänder des Rittergutes, später auch Vorsitzender des am selben Tag gegründeten Komitees zur gegenseitigen Bauernhilfe wird der landlose Bauer Hermann Technau bestellt. Technau ist erst als Umsiedler nach Schwerz gekommen, er ist Mitglied der KPD.
Es erhalten 4 landarme Bauern, 20 Landarbeiter, 7 landlose Bauern und Flüchtlinge (Umsiedler) Land. Diese erhalten jeweils zwischen 5-7 ha Land. Geringere Flächen (0,25-0,5 ha) erhalten 16 Industriearbeiter und Angestellte.
Der derzeit etwa 70- jährige Gutsbesitzer Dippe muss innerhalb weniger Stunden seinen Besitz verlassen.

Die Gemeinde und das Volkseigentum der späteren DDR erhalten aus dem Besitz des Rittergutes 4 ha Bauland und 9 ha Grünland. Als Restflächen bleiben 7 ha Ackerland, das Gutshaus, die Feldscheune am Feldweg zur Zörbiger Straße und ein Teich [26]. Im Gutshaus wird das Gemeindebüro von Schwerz eingerichtet [38].
Enteignet werden neben Dippe und Humbert in Dammendorf auch Reuter, Hengstmann (Eigentümer ist die Familie Sbach), Becker und andere [9b].

Anmerkung 41: Bei einer Gemeindefläche von etwa 550 ha wurden damit 38% der Gemeindefläche neu aufgeteilt und neue Flurstücke gebildet.
Die Güter Hengstmann und Becker in Schwerz werden nach einem Widerspruch noch im Oktober 1945 wieder zurückgegeben. Da der Eigentümer Becker sich in Kriegsgefangenschaft befindet, wird der Hof vom Treuhänder Herbig verwaltet. Das Inventar des Pachthofes Hengstmann wird beschlagnahmt, das Land erhält der Eigentümer Sbach zurück [9a]. In den nächsten Jahren nach der Bodenreform wechselten einige Neubauernstellen (zum Teil mehrfach) die Besitzer z.B. 1949 Gebhardt ? Gräfe (damals auch Vorsitzender der Gemeindebodenkommission), Technau ? Wuttig, 1951 Wuttig ?Lattermann [9b].

Hof der Familie Kern der ehemalige Gasthof „Zur Preußischen Krone” rechts oben im Luftbild von Kneipe 1996Ebenso wird der Hof der Familie Becker (später Familie Kern) im Ortsteil Kneipe zuerst enteignet und später zurückgegeben. Es waren nur 98 ha und nicht 100 ha, die Mindestgröße der zu enteignenden Güter. Kerns gehen 1954 nach Marburg in Hessen [39].

5 Neubauernstellen bildeten 1945/1946 den Grundstock für eine neue Straße, die „Frohe Zukunft”.

Im Gegensatz zu Schwerz wird das Land des Dammendorfer Gutes nach der Bodenreform Eigentum des Volkes und blieb als wirtschaftliche Einheit im Wesentlichen erhalten. In Dammendorf geht ein Teil des Rittergutes an das VEG Quetz, das auch das Land und das Guthaus der Familie Graevenitz aus Quetz erhielt. Es erhalten auch cirka 15 Neubauern und 15 Arbeiter und Angestellte Land. Ebenso wird auch das lebende und das tote Inventar des Gutes aufgeteilt [7]. Das Gutshaus von Dammendorf wird als zuerst als Gemeindebüro genutzt [38].

Der Kindergarten in Schwerz zieht 1945 in den Keller des Gutshauses, später dann in ein Neubauernhaus in der Frohen Zukunft. In Dammendorf wird das Gutshaus in Gödewitz genutzt, danach das Wohnhaus des Rittergutes von Dammendorf [7]. Die Gebühren betragen für das erste und zweite Kind 0,50 RM, für das dritte 0,30 RM, das vierte 0,20 RM, alle weiteren Kinder werden dann umsonst betreut [9a].

Die Turmuhr der Kirche Schwerz wird 1945 repariert. Die Handwerker hinterlassen in der Uhr eine kleine schriftliche Beschreibung des Vorganges [21].
In Dammendorf ist von 1945-1947 Otto Thieme Bürgermeister [7].

Die Bürgermeister in Schwerz wechseln ab 1946 erst einmal sehr schnell: (April?)1946 Wilhelm Schäufel (Schlosser, Mitglied der KPD, er ist erst seit dem 7.9.1945 in Schwerz ansässig). Ab 17.2.1947 Martin Schleese, ab 6.10.1948 H. Göbel aus Niemberg (bis zum Rücktritt am 18.9.1950) [7,38].

1946 erfolgte ein Erlass über eine neue Preisverordnung für Spirituosen. So kostet z.B. 2 cl Trinkbranntwein in Orten unter 100 000 Einwohner in der Preisgruppe I 1,45 Reichsmark, in der Preisgruppe II 1,55 RM [42].

Die Vergabe von Lebensmittelkarten wird im Februar 1946 folgendermaßen geregelt.
Es erfolgt eine Einteilung in 6 Klassen:
1) Schwerstarbeiter, 2) Schwerarbeiter, 3) Arbeiter/Angestellte, 4) Arbeiter mit weniger als 48 Stunden/Woche Arbeit, 5) Kinder bis 15 Jahre, 6) Sonstige.
In Klasse 6 erhält man täglich: 200 g Brot, 10 g Nährmittel, 15 g Zucker, 30 g Marmelade, monatlich 400 g Salz und 125 g Kaffeeersatz [38].

In den Orten herrscht durch den Zuzug der Umsiedler großer Wohnraummangel und durch die Kriegsauswirkungen Mangel an Baumaterialien.
Schreiben des Landrates vom 25.1.1946 an die Bürgermeister des Saalkreises:

Infolge der Verknappung von Dachdeckungsmaterial und sonstigen Baustoffen muss verstärkt auf Schilfrohr als Putzträger für Decken und zur Dachdeckung zurückgegriffen werden. Es sind daher sofort alle in Ihrem Bereich vorhandenen Schilfvorkommen zu erfassen und für die rechtzeitige Schilfernte muss Sorge getragen werden [9a].

Ab 1946 bis 1950 wird die Weil-Reisshauer Stiftung überprüft. Gemeindevorsteher von Dammendorf und Stiftungsvorstand ist Herr Thieme. Die Stiftung darf danach ohne Einschränkungen weiter bestehen. Vorstände 1947 sind Bürgermeister Franz Wolf, die Gemeinderäte Otto Göricke und Karl Trümper, Schriftführer ist Franz Schmidt. 1949 ist neuer Vorsitzender der neue Bürgermeister von Dammendorf Otto Gellonnek, der Rest des Vorstandes bleibt unverändert [9b].

Am 15.3.1947 gibt es in Schwerz ein außergewöhnliches Hochwasser. Es mussten 7 Häuser für 24 Stunden geräumt werden. Eine starke Schneeschmelze war die Ursache [9a]. In diesem Jahr gab es auch infolge einer Dürre eine Missernte [38].

1947 werden in Schwerz und 1957 in Dammendorf die Kleingartenvereine gegründet. In Dammendorf wird dazu das Gelände des vorhandenen Sportplatzes genutzt. Es soll die Versorgung der Bevölkerung mit Nahrungsmitteln verbessert werden. In Schwerz entstehen 18 Parzellen mit je 450 m2 Fläche. In Dammendorf sind es dann 30 Parzellen. Zuerst werden die Parzellen nur von Ortsansässigen bewirtschaftet. Ab 1982 kommen auch zunehmend Pächter von außerhalb, meist aus Halle. Grund dafür ist auch die bessere Verkehrsanbindung durch öffentliche Verkehrsmittel und eigene Autos.

1.4.1948 in Schwerz und Dammendorf werden die Konsumverkaufstellen eröffnet [38].

24.6.1948 findet die Währungsreform in der sowjetischen Besatzungszone statt. Es werden pro Person 70 Reichsmark 1:1, Beträge darüber hinaus 1:10 in Deutsche Mark umgetauscht.

Ab 1949 soll das Gutshaus auch als Schule genutzt werden. Aus einem Brief an die Kreisbodenkommission :

Die Ortsbodenkommission hat in ihrer Sitzung vom 29.Januar 1949 beschlossen, daß das ehemalige Gutshaus in Schwerz, früher Dippe, als Schule eingerichtet wird und bittet die Kreisbodenkommission hierzu ihre Zustimmung zu geben, da in der Gemeinde z. Zt. 112 Kinder unterrichtet werden und das kleine Klassenzimmer bei weitem nicht ausreichend ist.
Die Ortsbodenkommission Schwerz 30.Januar 1949 [26]
Am 27.1.49 besichtigte die Kreisbodenkommission das ehemalige Gutshaus Dippe in Schwerz und stellte fest, das es auf keinen Fall den Charakter eines Herrenhauses trägt und als Schulhaus allerbestens geeignet ist. Den Beschluss dieses Haus als Schule ausbauen hat die Gemeindevertretung schon 1947 gefasst, derselbe konnte aber bis heute nicht durchgeführt werden, weil seitens des Kreisrates noch keine Zustimmung gegeben wurde. Wir wären Ihnen dankbar, wenn Sie nun so freundlich sein wollten und bei der Landesbodenkommission erwirken könnten, dass der beabsichtigte Abbruch des o. a. Hauses unterbleibt und der Wunsch der Gemeinde Rechnung getragen wird. Der Rat der Gemeinde Schwerz [26]

Offensichtlich war vorher der Abriss des Gutshauses beabsichtigt gewesen! Da es aber „kein Herrenhaus” war, konnte es bestehen bleiben (Anm.42). Ab dem 6.11.1949 bis 1963 wird es dann als Schule genutzt.Daher stammt auch der Straßenname Schulstraße vor dem ehemaligen Gutshaus. Dieser Name hat bis 2010 Gültigkeit. 

Anmerkung 42: Gemäß dem Befehl 209 der Sowjetischen Militäradministratur (SMAD) wurden 1948 von der Landesbodenkommission mehrere Schlösser und Gutshäuser zum Abbruch vorgeschlagen. Alle betroffenen Objekte blieben jedoch sämtlich stehen, da das Ministerium für Volksbildung eine schulische Nutzung beantragt hatte [37c]. 

Die Besitzer des Gemischtwarenhandels (vorher Kolonialwaren) Hölzner verlassen 1949 das Dorf. Die Händlerin Hölzner wurde 1948 zu einem Jahr und einer Woche Gefängnis und 5 000 DM Geldstrafe verurteilt. Vorher war bei einer Hausdurchsuchung „gehortete Bedarfsgüter und Lebensmittel” beschlagnahmt worden. Daraufhin wird auch ihr Schwiegersohn Martin Schleese als Bürgermeister abgewählt. Er hatte wegen Beihilfe dazu eine Bewährungsstrafe erhalten [9a].

7.10.1949 Gründung der DDR.

Über die Verhältnisse in dieser Zeit gibt ein Brief des Rates der Gemeinde Schwerz vom 6.4.1950 Auskunft. Vorangegangen war eine Aufforderung des Volksbildungsamtes alle Kunst und Kulturgüter im Herrenhaus zu erfassen [9a].

An den Rat des Saalkreises Volksbildungsamt
Betr. Kunst und Kulturgut aus der Bodenreform
In dem ehemaligen Herrenhaus Dippe, welches jetzt zu einer Grundschule umgebaut werden soll, ist an Kunstgegenständen nichts mehr vorhanden. Bei der Durchführung der Bodenreform wurde damals alles verteilt und heute weiß keiner mehr wo etwas davon geblieben ist. Es hängen lediglich im Flur noch zwei ausgestopfte Vögel. Wie mir der Vorsitzende der Gemeindevertretung mitteilte, hat er damals den Vorsitzenden der VdgB Herrn Technau mehrere Male darum gebeten, ihm Aufstellung über die vorhandenen Sachen zu geben, aber leider wäre dies niemals geschehen. Gemeinde Schwerz [26]

Nach dem Krieg fehlte es den Menschen an vielen notwendigen Dingen. Auch herrschen noch Krankheiten wie die Schwindsucht (TBC). So gibt es 1947 45 Verdachtsfälle in Schwerz [9a].

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