Geschrieben von: Steffen Marx Samstag, 20. September 2008
Am 26.Juli 1950 erfolgt bei einer Gemeindereform im Saalkreis die Vereinigung der Gemeinden Dammendorf und Schwerz zu einer Gemeinde. Das dann 1997 neu geschaffene Gemeindewappen verbindet den Ginkobaum aus dem Dammendorfer Park mit dem Schwerzer Berg [11].
Erster Bürgermeister der vereinigten Gemeinden ist Erich Behrent [7].
1950 wird auch die Zentralschule Schwerz - Spickendorf gegründet. Der Unterricht findet aber noch nach Klassenstufen (nicht nach Wohnort!) in den einzelnen Schulen der Orte getrennt statt. 1958 wird dann das Schulsystem der Polytechnischen Oberschule (POS) eingeführt [38].
Die Dammendorfer Schule verlässt 1950 ihr altes Schulhaus und zieht in das Gutshaus am Dammendorfer Park [38].
Von 1951-1954 wird die bisherige Bockwindmühle der Familie Golling am Windmühlenberg in Dammendorf in eine Paltrockwindmühle umgebaut. Durch Baufehler kam es 1955 während eines Sturmes zu einem Brand Die Mühle stellte erst 1975 (oder 1978) ihren Betrieb ein. Im Jahre 1990 wurde die Mühle unter Denkmalschutz gestellt [33]. Erbaut wurde die Mühle um 1880.
Von 1952 bis 1990 gehört Schwerz im Saalkreis zum Bezirk Halle der DDR.
Etwa 1952 werden in Schwerz und Dammendorf die Straßen umbenannt. Neben bekannten Sozialdemokraten (z.B. August Bebel in Schwerz) und Kommunisten (Ernst Thälmann in Dammendorf) werden als Namensgeber auch verdiente Dorfbewohner als Namensgeber verwendet. In Schwerz betrifft das die Karl Schröter Straße und die Karl Mehne Straße. Beide waren Stellmacher (oder Tischler) im Ort. Sie wohnten jeweils in den umbenannten Straßen. Zu Karl Mehne ist noch bekannt, dass er Mitglied der SPD gewesen ist. Weitere Gründe sind derzeit nicht bekannt.
Im August 1952 erfolgte die Gründung der LPG „Edwin Hoernle” Schwerz mit 350 ha Wirtschaftsfläche. Zu dieser Zeit verlassen einige Bauern infolge politischen und ökonomischen Drucks ihren Hof und die DDR. 1955 besitzt die Maschinen- und Traktorenstation (MTS) Schwerz: 1 Traktor, 1 Traktorenpflug, 68 Pferde, 1 Zugochse, 27 Zugkühe [7]. Die Arbeit war immer noch sehr handarbeitsintensiv:
„Zur erfolgreichen Kartoffelkäferbekämpfung (Anm.36) sind die Suchkolonnen in diesem Jahr besser anzuleiten und über die Notwendigkeit der Vernichtung dieses gewaltigen Schädlings aufzuklären. Außer den festgelegten Großsuchtagen ist wöchentlich mindestens einmal zu suchen” [40].Anmerkung 36: Der Kartoffelkäfer trat erst ab 1947 in Schwerz in Erscheinung und breitete sich schnell massenhaft aus. Der Befall konnte bis zum Totalausfall der Ernte führen.
1953 schließt das Gasthaus der Familie Franke. Später heißt die Familie durch Einheirat Zutz. Das Gasthaus hatte bis 1898 der Familie Hässler gehört [11].
Ab 1954 ist Walter Zwanzig Bürgermeister des Ortes Schwerz/Dammendorf. Er bleibt bis 1979 Bürgermeister und ist dann noch einmal Bürgermeister von 1980 bis 1982 [7].
1955 während einer Treibjagd in Schwerz und Spickendorf werden 350 Hasen erlegt [41].
In den Jahren 1956-1965 unternahm der Lehrer (und zeitweise auch Schulleiter von Schwerz) R. Melcher Züchtungsexperimente an der Pflanze Mirabilis Jalapa (Wunderblume) im damaligen Schulgarten von Schwerz. Die Ergebnisse wurden 1966 in einem Sonderdruck der Zeitschrift für Pflanzenzüchtung veröffentlicht [12].
Am 29.8.1959 kam es zur Vereinigung der LPG „Edwin Hoernle” Schwerz und die LPG „Thomas Müntzer” Spickendorf zur LPG „Frieden” Schwerz - Spickendorf (etwa. 1100 ha Fläche, 264 Mitglieder, davon 143 Frauen). Ein Jahr später sind in Schwerz alle Bauern (un)freiwillig LPG - Mitglied, in Dammendorf erst 1961. Doch der Bezirk Halle ist mit der DDR schon im Jahr zuvor offiziell vollgenossenschaftlich!
Die LPG war neben dem Steinbruch auf dem Schwerzer Berg der größte Arbeitgeber im Ort und auch Träger fast aller gemeindlichen Aktivitäten. So betreibt die LPG in Spickendorf einen K-Wagen Verein von 1972-1976. Grund der Aufgabe des Vereins ist Erfolg! Eine Hochstufung in die Lizenzklasse war zu teuer [7].
1959 kommen in Schwerz zwei neue Glocken für die Kirche an. Sie ersetzen die im zweiten Weltkrieg eingeschmolzenen Glocken.
Eine Zählung der Einwohner im Jahre 1960 ergibt einen Anstieg auf 450 Einwohner in Schwerz und 410 in Dammendorf, der sich vor allem aus dem Zuzug von Umsiedlern infolge der Auswirkungen des II. Weltkrieges erklärt.
1962 wird der Volkseigene Betrieb (VEB) Natursteinkombinat Halle, Schotterwerk Schwerz auf dem Schwerzer Berg errichtet. Damit beginnt der große Abtrag der Spitze. Für den Abtransport wird auch ein Gleisanschluss von Niemberg aus gelegt. Es werden etwa 610 t/Tag Schotter gebrochen [45].
Ab 1962/63 bis in die 70-iger Jahren ist in Schwerz und Dammendorf ein Schalmeienorchester aktiv [46].
1963 werden die alten Schulen von Schwerz, Dammendorf, Petersdorf und Spickendorf aufgelöst. Gemeinsame Schule ist jetzt das ehemalige Gutshaus in Dammendorf die zur POS (Polytechnische Oberschule) ausgebaut wird. Schulhaus wird dort das ehemalige Gutshaus am Dammendorfer Park.
Der Kindergarten von Dammendorf wird in den Kindergarten nach Schwerz integriert. Dazu wird jetzt das ehemalige Gutshaus in Schwerz als Kindergarten genutzt [46,7]. Daher auch der heutige Name der Straße „Schulstraße”.
1964 Der vorerst letzte Pfarrer von Schwerz, Dr. Hammer verlässt Schwerz. Bekannt auch weit über Schwerz hinaus ist Dr. Hammer als „Wunderheiler”, heute eher Heilpraktiker. Dr. Hammer stirbt 1971. Bevor er Pfarrer in Schwerz wurde, war er auch Pfarrer in Dammendorf (seit 1926) [8c]. Seit dem teilt sich Schwerz mit anderen Gemeinden eine Pfarrersstelle.
Der Park Dammendorf wird 1966 unter Naturschutz gestellt. Als Einzelnaturdenkmal im Parkbereich ist die Pyramiden-Eiche, die nach Schätzungen ungefähr 200 Jahre alt ist, geschützt. Das genaue Pflanzjahr ist leider nicht bekannt. Weiterhin ist der Ginkgo (gepflanzt um 1900) der als Vorlage für das Gemeindewappen diente geschützt.

Anmerkung 37: Die Pyramideneiche, auch Säuleneiche genannt, ist eine Varietät der Stieleiche und ein Abkömmling der über 500 Jahre alten „Schönen Eiche von Babenhausen (Harreshausen)”, die als Spontanmutation Vorfahrin aller Säuleneichen weltweit ist [30]. Möglicherweise ist sie sogar die größte ihrer Art. Sie ist zumindest deutlich größer als ihre Vorfahrin in Babenhausen
Aus einem Gemeindeprotokoll vom 27.1.1966 [9a]
Das Schotterwerk in Schwerz gründet am 21.12.1966 den Tischtennisverein Schwerz als Betriebssportgemeinschaft „Aufbau Schwerz”. Als Sportstätte werden zuerst mehreren Zwischenlösungen genutzt. Zuerst im Schotterwerk, danach in der Spickendorfer Gaststätte und dann in Dammendorf. Später (1972) fand man auf Angebot der Gemeinde in der als Schafstall des ehemaligen Rittergutes Schwerz genutzten Scheune eine dauerhafte Spielstätte. Diese konnte so umgebaut werden, dass die Scheune als Tischtennishalle über viele Jahre genutzt werden konnte. Gründungsmitglied und mehr als 30 Jahre Leiter des Vereins ist Martin Zeucke [25].
1969 wird beschlossen, dass die Dammendorfer Kirche „nicht mehr zu halten sei”. Die Ursache ist Schwammbefall [19]. Das bedeutet, dass keine Maßnahmen mehr zur Erhaltung der Bausubstanz durchgeführt werden.
1.12.1970 während einer Sitzung des Pädagogischen Rates in der Dammendorfer Schule, dem ehemaligen Gutshaus Humbert:
„In der Pause um 15.30 Uhr hallt plötzlich ein entsetzter Ruf von der Treppe her durch das Haus.- „Kommt mal schnell her!” Lehrer und Erzieher sehen, was sie nicht glauben können. Die Decke über der Eingangstür hat sich auf ca. 1,5 m Länge um 20 cm gesenkt.Ab 1971 hat Schwerz-Dammendorf deshalb keine eigene Schule mehr. Nur die Unterstufe bleibt bis 1973 in Dammendorf. Erst seit 1967 waren alle zehn Klassen der POS in Dammendorf unterrichtet worden [7, 38].
In Schwerz wird 1972 als Zweigstelle eine Arztpraxis im ehemaligen Schulsaal eingerichtet. Sie hat Bestand bis 1994 [38].
1972 erfolgt die letzte Trauung bzw. 1979 die letzte Konfirmation in der Kirche Schwerz. Die Konfirmanden sind Gabriele Weilbach und Ingo Zander. Danach wird die Kirche wegen starker Bauschäden (Schwamm) geschlossen [21].
1973 Gründung der KAP Queis (Kooperative Abteilung Pflanzenproduktion). Dorthin wurden die Ackerflächen der umliegenden LPG übertragen. Aus der KAP entstand 1975 die LPG (P) Queis (nur Pflanzenproduktion). Übrig blieb die LPG (T) Spickendorf/Schwerz (in der ausschließlich Tierproduktion betrieben wurde) [7].
Am 30.06.1973 gibt es in Schwerz eine 3-fach Hochzeit bei der Familie Knibbe, denen eine Gärtnerei am Schwerzer Berg gehört. Hermann (73) und Berta Knibbe (67) feiern Goldene Hochzeit, Kurt Knibbe (49) und seine Frau Minne (47) Silberne Hochzeit und deren Tochter, Petra Knibbe (21) heiratet an diesem Tag Armin Krüger [38,39].
Es erfolgt am 8.10.1973 der erste Spatenstich für eine neue Verkaufsstelle mit 90 m2 Verkaufsfläche der Konsumgenossenschaft in Schwerz. Dazu wurde das sich an dieser Stelle befindliche Haus, der ehemalige Kolonialwarenhandel der Familie Hölzner abgerissen. [22,47]
Im Zuge des Bestrebens neuen Wohnraum zu schaffen, wird 1974 eine Scheune in der August Bebel Straße (später dann die Hausnummer 17a) zu einem Wohnhaus mit 4 Wohnungen umgebaut.
In diesen Jahren herrscht in nahezu allen Gemeinden des Landes großer Mangel an Wohnraum.
Am 21.1.1975 wird der Neubau der Konsumgenossenschaft eröffnet. In diesem Gebäude befinden sich seit dem auch der Sitz der Gemeindeverwaltung, eine Poststelle und 2 Wohnungen. Die Kosten belaufen sich auf fast 200.000 Mark der DDR [39].
Im selben Jahr schließt die Bäckerei von Schwerz. Inhaber war Herr Rudi Klitzsch.
Ab dem 1.11.1975 gibt es im Zuge der Aufgabe der Abdeckerei Zscherben (infolge des Aufbaues von Halle-Neustadt) noch einen weiteren Arbeitgeber: den Betriebsteil Schwerz des VEB Tierkörperverwertung und Sanitätsschlachtung (TKV) des Bezirkes Halle. Einen km östlich des Ortes wurde die Abdeckerei, die oft genug mit „Wohlgerüchen” an ihre Existenz erinnerte, errichtet, ehe sie 1995 wieder geschlossen wurde [7]. Besonders belastet war Quetzdölsdorf durch die offene Einleitung der Abwässer in den Strengbach im Bereich des Dammendorfer Parks. Dazu wurde ein neuer Graben durch den Park gebaut. Da die Abwässer ungeklärt eingeleitet wurden, kam es zu einer enormen Geruchsbelastung im Dammendorfer Park. Diese war über mehrere Jahre ein großes Ärgernis für die Dammendorfer und sogar auch immer wieder Thema in Zeitungsartikeln aus dieser Zeit.
1976 wird die Straße nach Spickendorf neu gebaut [38].
1978 kann in Schwerz die Geburt von Drillingen bei einem Storchenpaar gemeldet werden. Das war das erste Mal seit langer Zeit, dass in Schwerz ein Storchenpaar ihr Nest gebaut hatte [48]. In Dammendorf erhält der Jugendklub Räume in einer Baracke im Dammendorfer Park [39].
Der Jugendklub Dammendorf zieht 1978 in eine der beiden vorhandenen Baracken im Dammendorfer Park. Die andere wird ab demselben Jahr von der Feuerwehr genutzt.
Von 1979-1980 ist Frau Doris Reinicke in Schwerz/ Dammendorf Bürgermeisterin. Sie löst den langjährigen Bürgermeister Zwanzig ab. Ab 1980 bis 1982 ist aber wieder Herr Zwanzig Bürgermeister [7].
Nach 1980 wird in Schwerz der ehemalige „Rüsternteich” endgültig verfüllt. Der Teich besaß eine kleine Insel. Das Gelände wird als Bauhof der Gemeinde benutzt, und verwahrlost später auch als Müllplatz.
1981 wird der Strengbach um etwa einen Meter vertieft, um eine Verbesserung der Vorflut zu erreichen. Dabei werden auch einige Brücken in Schwerz und Dammendorf neu errichtet [38].
Das Bürgermeisteramt von Schwerz/Dammendorf wird am 15.9.1982 von Herrn Dietmar Zutz übernommen. Er übt das Amt bis zum Jahre 2001 aus [11].
In den 80-iger Jahren ist in den Schulen der DDR ein beliebtes Aufsatzthema „Wie stelle ich mir das Jahr 2000 vor”. Im September 1984 werden von der Klasse 4a der Polytechnischen Oberschule (POS) Niemberg unter anderem folgende Aufsätze geschrieben [28]:
Mein Heimatort ist ein Dorf und heißt Schwerz. Die Bewohner sollen alte Bäume durch neue ersetzen. Ich wünsche mir ein Schwimmbad in Schwerz. Für die Kinder sollte ein meinem Heimatort ein schöner großer Spielplatz errichtet werden. Es müssten bis zum Jahr 2000 noch viele Wohnungen entstehen. Der Sportplatz sollte besser gepflegt werden. Die Poststelle sollte in der Woche ganztägig geöffnet sein. Die Omnibusse müssen am Wochenende noch spät am Abend von Halle nach Schwerz fahren. In Schwerz müssen Plastebehälter aufgestellt werden.Im Jahr 2000 waren diese Kinder erwachsen. Alle Wünsche sind nicht in Erfüllung gegangen. Diese waren unter anderen Neubaublöcken, Schweinemastanlagen Blumenbeete, Kaufhallen und auch Frieden [28].
1986 wird das Dach des Dammendorfer Kirchenschiffes wegen „irreparabler” Schadens abgerissen. Das Inventar wird verkauft, zum Teil auch gestohlen, darunter auch die Buntglasfenster aus dem Kirchenschiff. Der Altar wird für 6 000 Mark an die Kirche St. Agidien in Bernburg verkauft (nach einem Beschluss der Kirchgemeinde). Im Jahre 1999 befindet er sich in der Dorfkirche von Krippehna Landkreis Delitzsch [19]. Der Taufstein aus Dammendorf befindet sich in der Kirche Schwerz.
1986 wird mit dem Neubau eines Mehrzweckgebäudes in Dammendorf, unter anderem für die Feuerwehr begonnen [39].
Das neue Gebäude der Freiwilligen Feuerwehr Schwerz/Dammendorf in der Ernst Thälmann Straße Dammendorf wird 1988 eingeweiht. Im selben Gebäude wird am 11.11. nach dreijähriger Bauzeit eine neue, kleine Verkaufsstelle der Konsumgenossenschaft der DDR in Dammendorf eröffnet. [39].
1989 werden in Dammendorf der Neubau eines Kindergartens und ein Frisiersalon geplant. So schreibt der ehrenamtliche Bürgermeister von Dammendorf Günter Radke [39]. Eine Realisierung erfolgt nicht mehr.
1990 nach der Wiedervereinigung der beiden deutschen Staaten gehört Schwerz zum Saalkreis, im Regierungsbezirk Halle des Bundeslandes Sachsen Anhalt.
1990 fordert die LPG (T) von der LPG (P) Acker, Maschinen und Geräte zurück und setzt die Produktion mit eigenem Futteranbau fort - 800 Bullen (in Schwerz), 1000 Schweine und 600 Kühe (in Spickendorf und Petersdorf). 1991 gehen beide Genossenschaften in Liquidation. Danach kommt es zur Rückgabe der 1945 nicht enteigneten Bauerngüter. Meist wird das Land dann verpachtet. In Schwerz bewirtschaftet anfangs Baron von Stetten das Pachtland, später der Betrieb Ehrenberg/Schaaf [7]. Außer einer kleinen Straußenfarm der Familie Zutz und einer Schafhaltung (Bauer Murche) gibt es keine bemerkenswerte Tierhaltung in den Orten mehr.
Das Dammendorfer Gut gehört seit 1991 der Familie Knoop, die es selbst bewirtschaftet. Herr Knoop ist ein Nachfahre der Familie Humbert. Sie kauften den Teil des Gutes von der Treuhand zurück, der bis 1990 zum VEG Quetzdölsdorf gehört hatte. Der Park selbst, der 2000 offiziell keiner mehr ist, bleibt nach einem irrtümlichen Verkauf der Treuhandliegenschaftsgesellschaft des Bundes (2003) im Eigentum der Gemeinde.
Schwerz-Dammendorf tritt 1991 dem Trinkwasserzweckverband Niemberg und dem Abwasserzeckverband Wolfen bei. Später übernimmt die Hallesche Firma HWA die Trinkwasserversorgung.
1991 schließt in Schwerz die letzte Verkaufsstelle. Die Konsumverkaufsstelle ist zwischenzeitlich von Privatkaufleuten übernommen worden. Da aber offensichtlich der Umsatz nicht reicht, schließt auch dieser Laden ebenso wie die Verkaufsstelle in Dammendorf. Ursache ist sicher auch die Eröffnung der neuen Supermärkte, unter anderem Kondi in Spickendorf (eröffnet 1990, geschlossen 2004) [38].
Als erste Frau in Schwerz übernimmt 1991 Frau Käthe Thon das Amt des Gemeindepfarrers (bis Ende April 2006) [38].
1991 wird der Schwerzer Dorfteich vom Schlamm befreit und neu gestaltet. Seit dem ist der Teich wieder ein ansehnlicher Teil des Dorfes. Dafür wurden 109000 DM aus Fördermitteln der Dorferneuerung aufgewendet [49]. Probleme gibt es in den heißen Sommern. Dabei kommt es durch Sauerstoffarmut zum „Umkippen” des Teiches und zum Fischsterben. Bedingt durch den fehlenden Zufluss verliert der Teich im Sommer durch Verdunstung an Wasser. Ein aufwändiges Auffüllen von Wasser wird dann notwendig.
Im Zuge der Dorferneuerung wird auch ein Teil des Sportplatzes zu einem Kinderspielplatz umgestaltet.
Die Umgestaltung des Dorfteiches im „alten Dorf” (ehemals Gödewitz) von Dammendorf kostet insgesamt 192.000 DM [49].
Das Schotterwerk auf dem Schwerzer Berg wird 1991 abgerissen und neu gebaut. Danach beträgt der Abbau von 800 000 t bis 1 Mill. t/Jahr. Der Betrieb gehört seit dem zu der Mitteldeutschen Baustoff GmbH mit Sitz in Sennewitz. Es sind 29 Personen beschäftigt. Der Vorrat wird noch auf 10 Mio. Tonnen geschätzt [7].
Der Bahntransport des Schotters nach Niemberg wird schon 1990 eingestellt.
Die bis dahin in Kindergarten und Kinderkrippe getrennten Einrichtungen im ehemaligen Gutshaus werden 1991 in eine Kindertagesstätte in Schwerz umgewandelt.
Die Erhebung von 1992 belegt für Schwerz 342 Einwohner und für Dammendorf 256. In der Gesamtgemeinde also 598 Einwohner. Die Fläche der Gemeinde beträgt 953 ha2 davon etwa 872 ha2 landwirtschaftliche Nutzfläche [43].
Ab 1992 wird der Hof der Familie Kern (die ehemalige Ausspanne „Zur Krone” in Kneipe zum Teil aufwändig saniert [39]. Später wird die Sanierung jedoch unterbrochen. Seit dem steht der Hof ungenutzt und leer.
Die Tierkörperverarbeitung und Sanitärschlachtung (TKV) in Schwerz wird 1992/1993 geschlossen (bis dahin 92 Beschäftigte). Danach übernimmt 1993 die Firma Rethmann den Betrieb als Sammelstelle für organische Abfälle. In Schwerz sind als deren Tochterunternehmen die Saria Bio- Industries GmbH und die Saria Re Food GmbH ansässig, 2005 nur noch mit insgesamt 32 Mitarbeitern. Speisen- und Küchenabfälle sowie Tierkadaver werden in Sachsen-Anhalt und Sachsen gesammelt. Die Verarbeitung erfolgt aber nicht mehr hier, sondern in Genthin. Das Endprodukt dort ist jetzt Biogas. Nach der Übernahme werden der Wohnblock und eine Halle zurückgebaut und der Betrieb modernisiert [7, 39].
1993-1994 werden Schwerz und Dammendorf an die Trinkwasserversorgung, von Gutenberg her, angeschlossen. Davor gab es nur die Hauswasserversorgung über die eigenen Trinkwasserbrunnen, die zum Teil auch mit gesundheitlichen Risiken verbunden waren. Das Abwassersystem folgt bis letztendlich 1996. 1996 wurde auch das Abwasserpumpwerk (Kosten: 222 000 DM) am Dorfteich in Schwerz in Betrieb genommen [39, 43].
1993-1995 findet in Schwerz und Dammendorf die Dorferneuerung statt. Dabei werden mit Hilfe von Fördermitteln des Amtes für Landwirtschaft und Flurneuordnung und Eigenkapital der Gemeinde mehrere Straßen neu gestaltet. 1994 sind das die Karl Marx Straße und die August Bebel Straße, zusammen 17 300 DM. 1995 der Dorfplatz und die Karl Mehne Straße, zusammen 436 000 DM. In Dammendorf erhält 1994 die Dorfstraße ein neues Gesicht für
69.000 DM und die Ernst Thälmann Straße für 27.000 DM. Von 1995-1996 wird in Dammendorf die alte Transformatorenstation umgebaut [43].
Ab 1994 wird in Schwerz das Dach und die Außenfassade der Kirche von der Gemeinde saniert. Am 29.November wird die alte Turmkugel entfernt und 2 Monate später durch eine vergoldete ersetzt. Eigentlich soll die Bekrönung mit der Wetterfahne am 20.12.1994 stattfinden, ein starker Sturm erzwingt eine Verschiebung auf den 27.01.1995.
Die Wetterfahne mit dem schwebenden Engel mit einer Posaune war schon einige Zeit vorher heruntergefallen. Er wird durch einen stehenden Engel mit Posaune ersetzt.
Beim Öffnen der Turmkugel kommen 5 alte Münzen und mehrere alte Dokumente ans Tageslicht. Unter anderem sind ein Reichsthaler von 1766 (ein möglicher Hinweis auf eine nicht bekannte Turmkugelöffnung in dieser Zeit), ein Groschen von 1836 und ein zwanzig Pfennig Stück von 1874 enthalten. Nach Sichtung und dem Hinzufügen weiterer aktueller Unterlagen zur Dorf- und Kirchengeschichte werden sie wieder eingelagert.
Die Reparaturkosten an der Kirche betragen etwa 133.000 Deutsche Mark [21]. An den Kosten beteiligt sich die Kirche (ca. 25.000 DM), der Saalkreis (34.000 DM) es gibt Fördermittel aus der Dorferneuerung (64.000 DM), Spendenmittel (ca.10.000 DM) und Geld bringt auch, zum geringeren Teil, die Gemeinde auf [39,43].
1996 wurde in Schwerz ein kleines Neubaugebiet erschlossen. Die Straße wird nach Friedrich Hoffmann benannt. Dabei entstanden 10 Eigenheime. Das erste Haus gehört der Familie Schwarz, Friedrich Hoffmann Straße 14. Die Straße wird im Jahr 2004 endgültig fertig gestellt.
1996 wird versucht die Kindertagesstätten von Spickendorf und Schwerz zusammenzuführen. Es kommt aber zu keinem Ergebnis.
Am 18.4.1997 bekommt Schwerz Dammendorf durch Erlass des Regierungspräsidiums ein Gemeindewappen genehmigt. Zur Wahl standen mehrere Entwürfe. Als Motiv dienten der Schwerzer Berg, der Ginko von Dammendorf und auch die Roggenmuhme als Symbol für die landwirtschaftliche Prägung von Schwerz und Dammendorf.
Die Kreisstraße in Schwerz wird von 1997 bis 1999 ausgebaut [39].
1997 wird die Poststelle in Schwerz geschlossen [39].
Zwischen Landsberg, Spickendorf und Schwerz werden 1997 Planungen für eine amerikanische Rennstrecke, „Eurodrom”, östlich der Zörbiger Straße durchgeführt. Die Anlage wird nicht gebaut [39].
In Dammendorf erhält die Blumenstraße im Rahmen der Dorferneuerung in den Jahren 1998 und 1999 eine neue Gestaltung [43].
Die Kreisstraße in Schwerz wird 1998 neu ausgebaut.
Am 16.04.1998 wird der gemeinnützige Verein „Bürgerinitiative Ortsgruppe Dammendorfer e.V.” gegründet. Zum Vorstand gehören: Olaf Richter (Vorsitz), Reik Nagel, Volker Rapsilber und Doris Lang (Schriftführer) an.
Am 29.11.1998 gibt es in Schwerz und Dammendorf eine Nachwahl zum Gemeinderat, da durch Wegzug und anderen Gründen die Anzahl der Gemeinderäte zu klein geworden ist [39].
1999 Auf den Territorien von Landsberg, Spickendorf und Schwerz, östlich der Zörbiger Straße plant ein nicht benannter amerikanischer Investor, vertreten von einem Berliner Büro, einen
101 ha großen Freizeitpark mit einer Milliarden-Investition. Es sollen Erdteile um einen künstlichen See entstehen, dazu unter anderem Hotels, Campingplatz, Skihalle, Bühne. Des Weiteren ist eine 35 ha große Gewerbefläche bei Spickendorf mit Versorgungs- und Serviceeinrichtungen vorgesehen. Im Januar 2001 erfolgt der Rückzug, wahrscheinlich durch die Konkurrenz eines weiteren, sich schon im Bau befindlichen Parks („Belantis”) bei Leipzig.
1999 begeht die Freiwillige Feuerwehr festlich ihren 75. Geburtstag mit dem ersten großen Fest des Dorfes seit der Wiedervereinigung Deutschlands.
Im Ortsteil Kneipe verbrennt 1999 ein junger Mann aus Köthen bei einem schweren Verkehrsunfall in seinem Auto [39]. Auf der Zörbiger Straße gibt es in den 90-iger Jahren, nach dem Ausbau als Umleitungsstrecke für die Autobahn A9, häufiger auch schwere Unfälle mit tödlichem Ausgang.