Wappen

Schwerz im Saalekreis

19. Jahrhundert

  1. Ab 1802 gehört das Gut Dammendorf dem Herrn von Kamann [3]. Er flieht wegen seiner Unterstützung der Preußen im Jahr 1806 oder 1807 [8b] vor den Franzosen nach Amerika [3].

1806 erhält die Schule in Dammendorf als Ergänzung eine Scheune mit Ziegenstall [38].

1806-1813 französische Besatzungszeit, in dieser Zeit gehört Schwerz zum Kanton Oppin und zum Königreich Westfalen unter dem Bruder von Napoleon Bonaparte.

 

Von 1807 bis 1824 gehört das Dammendorfer Gut dem Amtmann Bartels (der es von Kamann gekauft hat [3]) in Giebichenstein. [8b].

Der Schwerzer Gutsbesitzer Carl Wilhelm Rudolphi verstarb am 10.12.1807 in Magdeburg [51] und hinterließ das Schwerzer Gut seinem Sohn Franz Wilhelm Adolph Rudolphi.

1813 hatte Schwerz in den Napoleonischen Kriegen unter dem Lager einer russischen Militäreinheit am Schwerzer Berg zu leiden. Diese plünderten die umliegenden Dörfer und beschlagnahmten das Vieh [3]. 1817 zogen dann noch einmal die Franzosen durch das Gebiet.

1814 ist der Gutsbesitzer Leisering Bürgermeister in Schwerz [38].

Verzierung über dem Eingang des Wohnhauses der ehemaligen Ausspanne und Poststation im Ortsteil Kneipe

In der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts gab es im Ortsteil Kneipe kurzzeitig noch einen zweiten Gasthof. Nach der Neufestlegung der Grenzen des Saalkreises im Jahre 1815 in den Ergebnissen des Wiener Kongresses wurden die Zoll- und Poststation aufgehoben. Dadurch ging dem Gasthof viel Kundschaft verloren, so dass seine Einkünfte stark sanken. In der Mitte des 19. Jahrhunderts wurde der Gasthof „Die Krone” geschlossen. Die Baulichkeiten gingen an einen neuen Besitzer, einer Bauernfamilie über, die das ehemalige Gasthaus zu ihrem Wohngebäude umwandelte. Über der zur Straße liegenden Haustür kündet der „Hausstein” mit der Krone noch von der ehemaligen „Kneipe” [3].

Die Straße durch Kneipe wurde erst 1829/30 gepflastert. Mindestens bis 1920 verlief die Straße noch durch das Gehöft der ehemaligen „Kneipe” [3].
Der Ortsteil hat den Spitznamen „Puszta” (Anm.29) erhalten. Seit wann, jedenfalls schon vor 1945, ist leider nicht bekannt, aber warum:

„Der Spitzname Puszta ist als Schimpfwort gemeint. Der OT Kneipe liegt etwas von Schwerz entfernt, sozusagen einsam und öde. Das wirkliche Leben tobt nur im Dorf Schwerz. Ihr dahinten, in der „Puszta” da ist ja nichts los” [25].

Anmerkung 29: Puszta bedeutet Einöde

Der Schwerzer Rittergutsbesitzer Leutnant Franz Adolf Wilhelm Rudolphi kauft 1824 auch des Dammendorfer Gut mit zuletzt (1945) 150 ha Fläche. Er war verheiratet in 2. Ehe mit Dorothee Mathilde geb. Jäger. Sie wurde geboren am 12.4.1802 und war die Tochter des Rittergutsbesitzers von Spören und Eigentümers der Zörbiger Schnupftabakfabrik „Dorotheenhof” Christian Gottlieb Jäger. Verstorben ist sie am 18.8.1892 [51]).
Aus [51):
Am 7.4.1816 ist Mathilde Jaeger konfirmiert. 4.11.1818 singt sie zum ersten Male öffentlich in einem vom Kantor Helbig veranstalteten Conzert im Weißen Roß. Am 8.10.1821 verlobt sie sich mit Franz Adolf Wilhelm Rudolphi. Die alte Frau Dorothee Mathilde Rudolphi geb. Jaeger muss eine Frohnatur gewesen sein. Als kurz vor ihrem 90.sten Geburtstag ihre Nichte Agnes Matthaei geb. Schneider sie um einen Geburtstagswunsch gebeten hatte, schrieb sie kurz zurück: "Wenn du mich am 12 .4.1892 sehr erfreuen willst, so schenke mir Etwas, worüber ich so von ganzem Herzen lachen kann!". Am 26.12.1881 feierte das Paar die Diamantene Hochzeit.

Anmerkung 30: Sicher in Borowno

Die Schwester von Franz Wilhelm, Alwine Rudolphi stiftet 1836 der Schwerzer Kirche einen neuen Altarschmuck und eine Bibel.
Das neue Gutshaus der Familie Rudolphi, später der Familie Humbert. Es wurde im Jahre 1985 bis auf das Kellergeschoss abgerissenDie Familie Rudolphi lässt sich in Dammendorf 1826 ein neues Gutshaus neben dem bisherigen bauen. Das alte Gutshaus wird „Witwensitz” [3].

1836 Im September wird der Schieferturm der Kirche Schwerz neu eingedeckt. Der Turmengel war schon 20 Jahre zuvor heruntergefallen. Die Turmkugel wird geöffnet. Eine Einwohnerliste aus dieser Zeit nennt als Bürgermeister und „Anspänner” (Anm.31) Christoph Reuter. Es gibt 42 Häuser und 289 Einwohner in Schwerz. Dorfpfarrer war ein Herr Beschoren. Herr Kaatsch der Dorflehrer. Erwähnung findet auch ein Mühlenhaus auf dem Schwerzer Berg. Insgesamt hat Schwerz 45 Häuser (mit der Mühle und mit Kneipe) [21].

Anmerkung 31: Anspänner ist ein früher verwendeter Begriff für Gutsbesitzer (auch Hüfner) auf größeren Höfen (eine Hufe Land) die das Einkommen einer Familie sichern konnten (siehe Anmerkung 6). Halbspänner sind demzufolge (Halb)Bauern die allein aus ihren Höfen (ca. 1/2 Hufe) kein ausreichendes Einkommen erzielen konnten und weitere Lohntätigkeiten annehmen mussten [30].

1842 wird in Schwerz der Dorflehrer Hermann Scheffler nach eigenem Antrag pensioniert. Er zieht nach Halle und erhält eine Pension von 2.355,-Mark/Jahr. Das sind 45/60 seines letzten Gehaltes (3.139,26M) [9a].

1842 ist Bürgermeister von Dammendorf Christian Kittelmann [38].

1850 ist Bürgermeister von Dammendorf Friedrich Just, Gutsbesitzer einer Kossate [38].

Ab 1850 wurden die Güter in Schwerz und in Dammendorf vom Sohn des Franz Adolf Rudolphi, dem preußischer Premierleutnant Wilhelm Gottlieb Rudolphi gepachtet. Der Eigentümer der Güter, Franz Adolf Wilhelm Rudolphi, lebte danach bis zu seinem Tod 1882 auf seiner weiteren Besitzung in Borowno bei Bromberg [38].
Wilhelm Gottlieb Rudolphi gestaltet 1855 den Park in Dammendorf mit etwa 3,2 ha Fläche. Neben dem Park muss es auch einige Zeit einen Weinberg gegeben haben. Mehr dazu ist zurzeit nicht bekannt. Wilhelm Gottlieb Rudolphi starb schon am 9.2.1876 mit 52 Jahren noch vor seinem Vater. Er ist in Schwerz beerdigt. Wilhelm Gottlieb Rudolphis Witwe Selma geb. Boening pachtet danach beide Güter (bis 1880).

Alwine Rudolphi stiftet der Schwerzer Kirche bei ihrem Tod am 6.3.1875 testamentarisch 600 Mark mit der Verpflichtung, ihre und die Familiengrabstätte in Stand zu halten. Die Grabstätten lagen auf der dem Rittergut zugewandten Seite der Kirche (Anm.31) [8b, 21].

Anmerkung 31: Unklar ist, welche Seite eigentlich gemeint ist, möglich sind die Nord- oder die Westseite der Kirche. Der heutige Friedhof befindet sich jedoch an der Ostseite.

Hoffmann Büste; Foto von 1946

Zu Ehren ihres berühmten Vorfahrens ließen die Familie Rudolphi und die Einwohner von Schwerz über dem Durchgang zum Rittergut eine Büste des Gelehrten und eine Gedenktafel anbringen. Das genaue Datum ist nicht bekannt. Nach dem Teilabriss der Kirchenmauer nach 1950 erhielt sie 1953 einen Platz am Zaun des Gutshauses. Von dort ist sie unbekannt verschwunden.

1855 erhält die Dammendorfer Kirche eine neue Orgel. Der Innenraum wird umgebaut. Die bis dahin vorhandenen Emporen werden abgebaut. Dafür werden eine Orgelempore und eine neue größere Orgel eingebaut. Sie ersetzt die Orgel von 1752 [3].

1855 ist Bürgermeister von Dammendorf der „Anspänner” (oder auch Gutsbesitzer) Gottlob Schulze [38].

1862 erhält die Dammendorfer Schule einen massiven Schweinestall [38].

1871 Bürgermeister von Schwerz ist Ferdinand Brand, Gutsbesitzer (bis 1886). Er ist auch Amtsvorsteher im Amtsbezirk Niemberg. Er stirbt am 17.1.1890 [38].
1872 In der Schule Dammendorf gibt es eine Revision der Schulstube. Es wird festgestellt, dass sie ist für 80 Kinder zu klein ist, eine Vergrößerung wird angewiesen [38].

1873 fallen einer Choleraepidemie in Schwerz 26 Einwohner zum Opfer [21].

1874 wird der 1872 geforderte Anbau eines Schulsaales an die Westseite des Schulhauses von Dammendorf ausgeführt. Die Baukosten: das Angebot lautet 980 Taler. D en Preis treibt man in Verhandlungen auf 853 Taler herunter. Weitere Kosten kommen hinzu, so für 14 Schulbänke, Wandtafeln, 1 Katheder, Kleiderleisten, Rechenmaschine. Daraus resultieren Gesamtkosten von rund 1 000 Taler. Die alte Schulstube wird als zusätzlicher Wohnraum für den Lehrer umgebaut. Handarbeitslehrerin ist Frau Gärtner Arlt aus Dammendorf bis 1877 [38].

Am 2. Mai 1874 wurde der Kriegerverein Dammendorf-Schwerz gegründet. Leutnant Franz Rudolphi war Vorsitzender dieses Vereins (wahrscheinlich auch der eigentliche Gründer), der sich vermutlich ursprünglich aus Veteranen des Deutsch-Französischem Kriegs von 1870-1871 rekrutierte. Im Jahr 1890 hatte der Verein 33 Mitglieder, 1893 schon 44. Es sind mehrere Mitgliederlisten des Vereines erhalten geblieben [9b]. 1893 wurde beim Oberpräsidenten der Provinz Sachsen Magdeburg beantragt eine Fahne führen zu dürfen. Nach viel behördlichem Schriftverkehr wurde dem Anliegen im selben Jahr entsprochen.

Eine Ergänzung des Fahnenschmuckes gab es 1899. Im selben Jahr war Julius Arlt Vorsitzender des Vereins [9b].

Kriegerverein 1921 Brief an den Kriegerverein 1899 [9b]
Vom Oberpräsidenten der Provinz Sachsen Magdeburg
Vom 5. August 1899:
zu den Berichten vom 24.3 /15.4/2.5:
Seine Majestät der Kaiser und König haben die Gnade gehabt, den Kriegervereinen zu Radewell-Burg-Osendorf und zu Dammendorf-Schwerz im Saalkreis sowie den Verein junger Krieger zu Sangerhausen je einen zur Weiterbeförderung beiliegendem Fahnenschmuck, bestehend in einem Bande in den preußischen Farben und in einem mit dem preußischen Wappen versehenen Nagel zu verleihen.

Der Kriegerverein existiert nachweislich mindestens bis 1936. Die endgültige Auflösung ist nicht bekannt, sie dürfte erst 1945 angeordnet worden sein [20].

1876 „Unsere Schule erlitt einen herben Verlust, indem der Patronats-Vorsteher Herr Lieutenant Wilhelm Rudolphi aus Dammendorf, am 9. Februar aus diesem Leben abgerufen wurde. Derselbe hatte das Rittergut Schwerz, welches seinem Herrn Vater als Fideicommiß gehörte, in Pacht und somit die Patronatsrechte seines Vaters für Schwerz auszuüben. Er war ein lieber, gerechter Herr und ein Wohltäter der Armen, darum war die Teilnahme bei seinem frühzeitigen Hinscheiden hier in unserm Orte so innig und anhaltend. Auch die Schule von Schwerz ehrte das Andenken des Verewigten, indem Lehrer und Schüler sich zu seiner Bestattung nach Dammendorf begaben und ihm durch Gesang und Begleitung zu seiner letzten Ruhestätte ihre Teilnahme bezeigten” [38].

1878 wird das Kirchendach der Schwerzer Kirche umfassend repariert. Dabei wird auch die Turmkugel geöffnet. Der Inhalt wird dokumentiert und erweitert. Eine genaue Beschreibung der Reparatur wird hinterlegt. Schwerz hat 53 Häuser und 370 Einwohner. Die Hausbesitzer werden alle namentlich aufgeführt. Neben dem Rittergut gibt es noch weitere 8 eigenständige Höfe („Güter”) von 12- 59 ha Größe. [21].

Kirche Schwerz. Reparatur der Wetterfahne (aus Schulchronik 1878)
Im Sommer wurde das Turmdach und die Turmwetterfahne der Kirche durch Schlosser Schmidt, Sohn der Gastwirtin, repariert. Die Fahne „war nämlich viele Jahre hindurch nur im Stande, drei Himmelsrichtungen, respektive Weltgegenden anzeigen zu können. Man hörte von den älteren Leuten in unserem Dorfe erzählen, dass bei der ersten Anbringung der Wetterfahne, der betreffende Arbeiter aus Schikane, weil ihm seine Wünsche betreffend genügender Versorgung mit Spirituosen bei seiner Arbeit von Seiten des Rittergutes nicht erfüllt worden wären, einen Stein in den Turmknopf gelassen habe, damit die Fahne sich nur nach drei Richtungen hat wenden können” [7].

1880 kaufte der Sohn von Wilhelm Gottlieb Rudolphi, Franz Wilhelm Rudolphi den Besitz seines Großvaters Franz Rudolphi in Dammendorf. Er war Eigentümer des Dammendorfer Gutes bis 1906 [8b]. Verheiratet war Franz Wilhelm Rudolphi mit Franziska Jänsch.
Die zehnte Wiederkehr des Sedanfestes im Jahre 1880, die erste Feier eines „Decenniums” (Anm.32) der Schlacht von Sedan”, gab der verehrten „Frau Patronin Mathilde Rudolphi aus Borowno Veranlassung der hiesigen Schule eine besondere Aufmerksamkeit zu erzeigen.

Sie übersandte dem Lehrer für jeden Schüler der Ober- und Mittelklasse ein Festbüchlein zum Geschenk, betitelt: „Vom Kurhut zur Kaiserkrone.” Bilder aus der Geschichte der Hohenzollern. Eine Festgabe für das deutsche Volk. Damit nun die Schüler auch wussten, was die edle Geberin mit diesem Büchlein beabsichtigte, so hatte dieselbe jedem Buche eine selbst geschriebene Widmung gegeben, welche lautete:

„Geschenk der Frau Mathilde Rudolphi zur Erinnerung an die zehnjährige Feier der Schlacht von Sedan. Borowno, d. 2 ten Septbr. 1880”[38].

Anmerkung 32: „ein Jahrzehnt” nach dem deutsch-französischem Krieg 1870/71. Diese Feste wurden nach Ende des 1. Weltkrieges verboten [30].

Hier folgt der bekannte Stammbaum der Gutsbesitzerfamilie Rudolphi soweit er Schwerz und Dammendorf betrifft: Die Besitzer des Gutes sind unterstrichen:[51]

Johann Wilhelm Rudolphi
Herzoglich Braunschweigischer Geheimer Legationsrat
Geb. 22.4.1721 in Hötensleben, gest. 9.7.1789 in Schwerz
verheiratet mit Friederike Sophie Schmals (Enkeltochter von Friedrich Hoffmann II), geb 22.9.1728 in Magdeburg, gest. 25.7.1793 in Magdeburg
1 Sohn: Carl Wilhelm

Carl Wilhelm Rudolphi
Geheimer Justiz und Regierungsrat. Erb- und Lehnherr auf Derenburg (bei Wernigerode), Raddeber, Rindsbeke, Schwerz und Koek
Geb. in Berlin 2.5.1751, gest. 10.12.1807 in Magdeburg
verheiratet mit Therese Römer geb. 18.8.1772 in Braunschweig, gestorben 14.1.1849 in Dammendorf
2 Kinder :
Alwine Henriette Emilie, geb. 25.11.1798 - gest. 25.11.1798
Franz Wilhelm Adolph, geb. 11.3.1796 - 14.5.1882

Franz Wilhelm Adolph Rudolphi
geb. am 11.3.1796 in Magdeburg, gest. am 14.5.1882 in Borowno (ein Gutsbezirk im Landkreis Bromberg/ Polen – hatte später, um 1910, 108 Einwohner)
verheiratet in erster Ehe, der Name der Frau ist unbekannt, diese verstarb während oder kurz nach der Geburt der Tochter Amalie Therese
2 Kinder :
Carl Ferdinand Rudolphi 5.9.1819-?
Amalie Therese Wilhelmine Rudolphi (4.2.1821-18.2.1821)
verheiratet in 2. Ehe mit Dorothea Mathilde Jäger (12.4.1802-18.8.1892 - Tochter des Rittergutsbesitzers von Spören und Eigentümers der Schnupftabakfabrik „Dorotheenhof” in Zörbig Christian Gottlieb Jäger
8 Kinder:
  1. Wilhelm Gottlieb, geb. 26.6.1823 in Dammendorf, gest. 9.2.1876 in Dammendorf
    verheiratet mit Selma Boening (26.11.1826 - 22.3.1887, aus Zörbig)
    Kinder: Louise, Mathilde, Selma, Franz Wilhelm (später Pächter des Gutes), Ida, Therese, Victoria
  2. Rosalie Franziska Dorothea, geb. 3.11.1824 in Schwerz, gest. 1.12.1824 in Schwerz
  3. Adolph Wilhelm, geb. 21.11.1825 in Schwerz, gest. 21.6.1826 in Schwerz
  4. Therese Mathilde Johanne, geb. 23.2.1827 in Schwerz, gest. 9.5.1874 in Halle
    verheiratet mit Anton Ernst Schmidt aus Bitterfeld - Rittergutsbesitzer in Wittenberg, drei Söhne
  5. Hermann Gottfried, geb. 14.4.1828 in Schwerz, gest. 11.5.1902 der Ort ist unbekannt, er wurde Landgerichtsrat, war verheiratet mit Selma Müller, kinderlos
  6. Ferdinand Gottlieb, geb. 5.9.1829 in Dammendorf, gest. Juni 1907 in Halle
    verheiratet mit Anna von Bünau geb 16.1.1851, Hochzeit am 10.2.1883, wurde geadelt und Oberstleutnant
    1 Sohn: Hans Günther Rudolphi (1844-1944)(Anmerk.33)
  7. Emilie Caroline Auguste, geb. 2.10.1830 in Dammendorf, gest. 27.1.1905 in Wandsbeck
    verheiratet mit Max Boening - Rittergutsbesitzer in Saboiwitz bei Guhrau, 7 Kinder
  8. Johann Franz, geb. 30. 8.1832 in Dammendorf gest. 17.8 1873 in Borowno
    verheiratet mit Henriette Langrock aus Zörbig (geb. 24.10.1839 – 30.09.1862), 1 Sohn

Anmerkung  33: Hans Günther Rudolphi ist der Initiator des Tages der Briefmarke in Deutschland und ist auf dem Stadtgottesacker in Halle im Grabbogen 47 beigesetzt. Seit dem 2.7.2010 steht dort für ihn ein Gedenkstein [58].


Wilhelm Gottlieb Rudolphi
         geb. 26.6.1823 in Dammendorf, gest. 9.2.1876 in Dammendorf verheiratet mit Selma Boening
        (26.11.1826 - 22.3.1887), aus Zörbig

7 Kinder 

  • Louise Rudolphi, geb. 31.10.1851 in Dammendorf, verheiratet mit Gutsbesitzer Heinrich Brode
  • Mathilde, geb. 13.5.1853 in Dammendorf, verheiratet mit Julius Hernung aus Sangerhausen, (Fabrikbesitzer)
  • Franz Wilhelm 
  • Ida, geb. 21.4.1857 in Dammendorf, verheiratet mit Arthur Schmalz (Rittergutsbesitzer)
  • Selma, geb. 14.8.1859 in Dammendorf, blieb unverheiratet
  • Therese verheiratet mit Major Jänsch
  • Victoria, geb. 14.7.1866 in Dammendorf, verheiratet mit Dr. Brode


Fanz Wilhelm Rudolphi 
        geb. 18.1.1856 in Dammendorf gest. Januar 1929, verheiratet mit Franziska Jänsch
        (5.4.1863-24.11.1881), Heirat am 24.11.1881 

4 Kinder:
       Ann Marie
       Leoni Rudolphi geb. 18.10.1881 in Dammendorf
       Egon Rudolphi geb. 27.12.1887 in Dammendorf – gest. 2.8.1953
       Hans Günther Rudolphi geb. 9.7.1891 in Dammendorf gest.8.8.8.1961 in Göttingen

Alle Angaben des Stammbaums stammen aus [51,64].

Orgel in der Schwerzer Kirche (Foto und Zustand 2006)

1881. Consistorialrat Nitze aus Magdeburg führt eine Inspektion der Kirchenkasse in Schwerz durch, dabei fällt ihm der schlechte Zustand der Orgel auf. Er kann das nicht verstehen, da ausreichend Geld vorhanden ist. Später fragt er schriftlich nach. Doch erst 1884 schließt man einen Vertrag mit dem Zörbiger Orgelbauer Rühlmann. Schon 1 Jahr später erfolgt die Einweihung des 4.000 Mark teuren Instruments. Die Orgel verfügt über 2 Manuale und zwölf Register [7].

 

 

 

 

 

Nach dem Tod von Franz Adolf Rudolphi am 14.5.1882 in Borowno kamen das Schwerzer Gut und das Patronat an einen anderen Zweig der Familie von Prof. Hoffmann, der Familie von Bredow aus Priegnitz [21, 38].

Das Gut war an einen Familienvertrag [38] gebunden, der die Unteilbarkeit des Gutes festlegte (Fideicommiß siehe 1884). Mittlerweile hatten aber viele weitere Miterben Ansprüche auf das Gut. Welchen Inhalt dieser Vertrag hatte und wann er verfasst wurde, ist nicht bekannt. Deshalb ist es auch nicht bekannt, warum es zu diesem Eigentumswechsel zwischen den Familienzweigen, zuerst 1780 an die Familie Rudolphi und nun 100 Jahre später, an die Familie Bredow kam. Allerdings hatten nach den dabei üblichen Regeln die jeweils erstgeborenen männlichen Nachkommen den Erbvorrang. Die weiteren Miterben wurden dann finanziell abgegolten.

Aus der Quellenlage ist ersichtlich, dass die Rudolphis Ansprüche über die Erbfolge der Tochter von Friedrich Hoffmann (II 1659-1742) hatten, während die Ansprüche der Familie Bredow aus der Erbfolge dessen Sohnes, Friedrich Hoffmann (III 1703-1766.) stammen. Dieser hatte das Gut 1742 als testamentarischer Erbe der Immobilien [62] übernommen. Da seit dem Tod von Friedrich Hoffmann (II) im Jahre 1742 schon 140 Jahre vergangen sind, dürfte die Erbauseinandersetzung schwierig gewesen sein.

Im Folgenden ist beschrieben, was über den Erbverlauf von Seiten der Familie Bredow bekannt ist:

In der Chronik der Familie v. Bredow [62], ist eine Christiane Wilhelmine Rosine von Lengefeld geb. von Hossmann (Anmerk. 34) „eine reiche Erbin“ erwähnt. Sie ist die Schwiegermutter von Friedrich Ludwig Leopold von Bredow. Als Sterbedatum ist der 10.3.1817 angegeben [62]. Das Geburtsdatum findet sich im Stammbaum der Familie Hoffmann [64], das Jahr 1752 [64]. Sie ist die Tochter von Friedrich Hoffmann (III) und hat auch noch einen Bruder, Friedrich Hoffmann (IV) (geb. 1745 gest.?) [64]

Anmerkung 34: In der Quelle liegt allerdings ein Schreib- oder Abschreibfehler vor. Der Name Hossmann ist Hoffmann. Friedrich Hoffmann (II) war allerdings nicht im Adelsstand.

Eine ihrer Töchter, Wilhelmine Caroline von Lengefeld geboren am 2.9.1781, heiratet am 2.7.1796 den Friedrich Ludwig Leopold von Bredow. Wilhelmine Caroline hatte 1803, das Jahr indem sie als „großjährig“ erklärt wurde schon 4 Kinder. Sie verstarb früh, am 14.12.1823 und hinterließ ein „bedeutendes Vermögen“ einschließlich ihrer Erbrechtsansprüche am „Gut Schwertz“ ihren Kindern. Ihr Mann verzichtete. Die Erbansprüche wurden an die Erben verteilt [62].

Das dritte Kind von Wilhelmine Caroline von Bredow (geb. von Lengefeld) war Eberhard Alexander (geb. 24.3.1801 in Berlin). Eberhard Alexander, „durch seine Verheirathung sehr vermögend“, heiratet Friederike Luise Adelheid Wilhelmine von Görtzke, die Tochter von Obrist Friedrich von Görtzke aus Großbeuthen (heute ein Ortsteil von Trebbin). Dessen Gemahlin (=Schwiegermutter von Eberhard Alexander von Bredow) wiederum ist ebenfalls eine geb. von Hoffmann. [62] Nach [62,64] handelt es sich dabei um Christine Karoline von Hoffmann (1772-6.11.1836) die Tochter von Friedrich Hoffmann (IV).
Friederike verstarb ebenfalls schon früh (am 13.6.1847) und vererbte die Erbansprüche am Gut Schwerz ihrem Mann [62].

Eberhard Alexander von Bredow hatte damit Erbansprüche am Gut Schwerz über seine Mutter und über seine Schwiegermutter, beides Cousinen. . Er vereinigte am 16.9.1856 dann durch Verhandlungen mit weiteren Miterben (Anmerk. 35)alle Teile des Erbanspruches am Gut auf sich. Eberhard Alexander verstarb dann selbst unerwartet schon am 21.7.1857 in Bad Reichenhall [62].

Anmerkung 35: Das dürfte eine große Anzahl gewesen sein. 

Der weitere Erbverlauf bis zum Eigentumsübergang im Jahr 1882 (25 Jahre später!) ist wieder unklar. Die Chronik der Familie v. Bredow hat an dieser Stelle keine Informationen mehr. Auch den Namen des oder der Eigentümer der Erbansprüche ist offen. Eberhard Alexander hatte 4 Söhne und 5 Töchter [62]. Welches dieser Kinder, oder alle gemeinsam, die Ansprüche letztendlich geltend gemacht haben, ist nicht bekannt. Wahrscheinlich hat sich auch kein Mitglied der Familie danach in Schwerz dauerhaft aufgehalten.

1883 werden in der Kirche von Schwerz der Altar und der Taufstein vergoldet und die Orgelempore eingebaut, die „Mettlacher Fliesen” werden verlegt. Bei der Renovierung werden 2 Grüfte, eine ältere mit mehreren Grabkammern und eine neuere aus dem Anfang (?) des 19. Jahrhunderts entdeckt, und wieder geschlossen. Die Bemalung von 1729 wird erneuert. Die Kosten belaufen sich auf 8.649,73 Mark [3, 38]. Die Neueinweihung findet am 11. November 1883 statt. 1885 kommt dann endlich auch die Turmuhr, deren Einbau schon Ende 1883 vertraglich zugesichert worden war [7,38].

Am 10.11.1883 wurde zu Ehren des 400. Geburtstages von Martin Luther in Schwerz eine Eiche gepflanzt [7]. Es handelt sich um die Eiche in der Straße "An den Linden" nahe der Kirche. Das erwähnte „Mölausche Gehöft” gehört heute (2010) der Familie Schubert.

Die Luthereiche an der Kirche im Jahre 2006 Pflanzung der Luthereiche (aus Schulchronik 1883) [7]
„Am Nachmittage des 10. November vollzog sich für unser Dorf zum Andenken an die herrliche seltene Lutherfeier die Pflanzung einer Eiche. Hierzu versammelten sich die Schulkinder mit den zwei Schulfahnen, der Ortspfarrer, sämtliche Vertreter der Gemeinde, Kirche und Schule, sowie die Jünglinge und Jungfrauen der hiesigen Gemeinde vor der Kirche, nahmen daselbst Aufstellung, und es bewegte sich der so gebildete imposante Zug mit einem Musikchor an der Spitze durch das Dorf nach dem Kählingschen Garten am Dorfteiche gelegen, wo selbst von dem Besitzer des Gartens ein zum Pflanzen geschenkter Eichenbaum in Empfang genommen wurde. Hierauf ging der Zug mit der zu pflanzenden Eiche in der Mitte getragen zurück zum freien Dorfplatze, vor der Kirche, Schule und dem Mölauschen Gehöft.
Nachdem der Zug Kreisaufstellung genommen und das Lutherlied „Ein feste Burg ist unser Gott” mit Musikbegleitung gesungen war, hielt der Herr Ortspfarrer Brode eine zu Herzen gehende schwungvolle, packende Rede. Danach wurde unter Gesang und Musikbegleitung die Luthereiche von dem Gemeindediener und Häusler Gottfried Häntzsch und den 4 Schulknaben Hermann Hübner, Heinrich Brode, Franz Hoffmann und Franz Reichert gepflanzt”

1884 Das Rittergut Schwerz, nach der Aufhebung des Fideicommiß (Anm.36) noch nicht ganz zwei Jahre im Besitze der von Bredowschen Erben, wird von dem Rittergutsbesitzer und Lieutenant, Herrn Franz Wilhelm Rudolphi, Enkel des verstorbenen Lieutenant und Rittergutsbesitzers, Herrn Franz Adolph Wilhelm Rudolphi auf Borowno, zurückgekauft. Damit ist dieser auch wieder Patron der Schulstelle von Schwerz [38].

Anmerkung 36: Das Familienfideikommiss ist ein Sondervermögen einer Familie (Obereigentümer), das ungeteilt in der Hand eines Familienmitgliedes (Nutzeigentümer) blieb. Der Inhaber erhielt nur den Ertrag des Vermögens zur freien Verfügung. Vollstreckungen in das Vermögen wegen Schulden des Inhabers waren ausgeschlossen. Dadurch blieb die vermögensrechtliche Grundlage für eine Familie und ihre soziale Stellung gesichert. Das Fideikommiss beruhte auf rechtsgeschäftlicher Stiftung – zum Beispiel durch testamentarische Bestimmung; die Erbordnung (in der Regel Primogenitur) legte der Stifter fest.
Unter einem Familienfideikommiss wird eine Anordnung des Erblassers verstanden, kraft derer ein Teil des Nachlasses vom Rest mit der Wirkung ausgesondert wird, dass der ausgesonderte Teil des Nachlasses rechtlich in ein Ober- und ein Nutzungseigentum aufgespalten wird. Das Nutzungseigentum stand immer nur einem Familienmitglied zu. Die Familie als Ganzes behielt das Obereigentum. Demnach ist derjenige, welcher aus dem Familienfideikommiss begünstigt worden ist, weder zur Verfügung noch zur Belastung des Eigentums befugt gewesen (gebundenes Vermögen). Der aus dem Familienfideikommiss Begünstigte konnte über sein Nutzungseigentum auch nicht frei von Todes wegen verfügen. Das vermögensrechtliche Schicksal des „Nießbrauchs“ an dem gebundenen Vermögen bestimmte sich nach der Sukzessionsordnung der Stiftungsurkunde [30]. 

1885 gab es in Schwerz 447 Einwohner und in Dammendorf 394 [3].

1885 gibt es ein Feuer in Schwerz.

Brand des Ochsenstalls im Rittergut Schwerz (aus Schulchronik 1885) [7]
Am 8. Oktober brannte in der Mittagsstunde der große, alte und baufällige, mit Stroh gedeckte Ochsenstall des hiesigen Rittergutes nieder. Das Feuer griff so schnell um sich, dass nicht alle Ochsen aus dem brennenden Stalle gerettet werden konnten, sondern acht Stück derselben verbrannten. An Nebengebäuden und Nachbargehöften standen durch die ungünstige Windrichtung in größter Gefahr das Möhlausche Gehöft, Kirche, Schule und Bäckerei. Da aus den nahen Ortschaften so schnell ausreichende Hülfe herbeikam, so war nachmittags 2 Uhr für sämtliche Gebäude in der Nähe der Brandstelle die Gefahr vollständig beseitigt. Die Ursache ist unbekannt.

1886 - 1898 Bürgermeister in Schwerz ist der Gutsbesitzer Louis Reuter [38].

1888 wird ein Turnplatz für die Schule in Schwerz gebaut [9a].
1889 wurde das Rittergut Schwerz an Franz Dippe aus Morl verkauft, dessen Familie es bis 1945 besaß. Der Schwiegersohn von Franz Dippe, Schellenberg bewirtschaftet als Pächter des Gutes 1945, zum Zeitpunkt der Enteignung, 213 ha [7/9b]. Auf dem Gut wurde unter anderem die Vermehrung von Rübensaatgut betrieben.
Franz Dippe wurde etwa 1870 geboren und starb 1947 in Zeitz. Er ist jedoch in Schwerz beerdigt. Franz Dippe hatte vier Töchter, jedoch keinen Sohn.

  1. Gertrud Schellenberg, deren Tochter Gertraude Ehrlich, geb. Schellenberg ist nach dem Krieg und Enteignung nach Münster/Westfalen verzogen. Der Ehemann von Gertraude Ehlich war Eigentümer des "Opel-Hauses" in Halle.
  2. Anneliese Paschen geboren 31.7.1896, gestorben März 1943. Ihr Ehemann war Willi Paschen, ein Wäschefabrikant aus Berlin. Die Hochzeit war im Jahre 1919.
  3. Erika Dippe (sie hat Ihren Cousin geheiratet)
  4. Susanne Kühn (Auto-Kühn in Halle) nahm sich 1945 das Leben, nachdem ihre Tochter nach dem Einmarsch der sowjetischen Armee auf tragische Weise ums Leben kam [24].

Gutshaus der Familie Dippe um 1920

Franz Dippe ließ sich um 1890 ein neues Gutshaus bauen. Dieses Gebäude ging nach 1945 in das Eigentum der Gemeinde Schwerz über. Über den Baumeister (Architekten) liegen derzeitig keine Informationen vor.

Ab 1891 werden die Schulkosten von der Gemeinde getragen, vorher mussten die Eltern dafür aufkommen. Grundlage für den Wechsel war eine „Landrätliche Circularverfügung” [38].

1892 breitet sich Keuchhusten in der Schwerz Schule aus. Er begann zum Beginn des Sommersemesters bei den meisten Kindern fast gleichzeitig und dauerte in seiner größten Heftigkeit von Ostern bis Pfingsten. Danach verlor er sich bis zur Ernte nach und nach wieder. Er trat so heftig auf, dass „im Unterricht der mündliche Verkehr zwischen Lehrer und Schüler fast zur Unmöglichkeit wurde, und die meisten Unterrichtsstunden für die Schulkinder zur schriftlichen Beschäftigung verwendet werden mußten”[38].

1893/94 wird der Friedhof in Schwerz vergrößert. Er wird nach Osten hin auf das Gelände des vorherigen Schulgartens ausgedehnt. Der Lehrer erhält als Ausgleich für die entgangenen Erträge eine Rente von 42 Reichsmark/Jahr. Das erste Begräbnis findet am 27.5.1894 statt. Es ist der Zimmermann Friedrich Henze. Ortspfarrer ist Herr Brode [38].

1895 fand eine Jubiläumsfeier statt.

„Die 25 jährige Wiederkehr der großen Begebenheiten des Jahre 1870/71 namentlich des Jubiläumstages von Sedan wurde in unserem Dorfe am Sonntag den 1. September in voller Einmütigkeit der hiesigen Bewohner gefeiert. Schon am Sonnabend Nachmittag waren die Dorfstraßen auf beiden Seiten mit Baumzweigen reich besteckt, an vielen Stellen mit Ehrenpforten nebst Inschriften geziert und die Häuser mit Kränzen und Girlanden festlich geschmückt worden. Die Feier begann Sonntag Nachmittag 1Uhr, indem die Mitglieder des Kriegervereins von Dammendorf und Schwerz mit Musik und unter Begleitung fast aller hiesigen Einwohner nach der Kirche zogen, wo von dem Pfarrer Brode hierselbst eine erhebende Gedächtnisfeier gehalten wurde. Die 18 Veteranen, 10 aus Dammendorf und 8 aus Schwerz, hatten ihre Ehrenplätze während des Gottesdienstes um den Altar. Nach Beendigung desselben bewegte sich der Festzug durch das geschmückte Dorf, voran der Kriegerverein mit den Veteranen, gefolgt von der Gemeindevertretung und geschlossen von den festlich geschmückten Schulkindern mit ihren Fahnen nach dem Festplatze. Hier hielt Herr Pfarrer Brode noch einmal eine von Patriotismus durchdrungene Rede an die Festversammlung, worauf dann die Kinder in Gegenwart der Festteilnehmer durch verschiedene Spiele unterhalten und Verlosung von nützlichen Gegenständen erfreut wurden. Das Fest verlief bei schönem Wetter für Kinder und Erwachsene in sehr froher Stimmung und endigte den 1. Tag am Abend mit einem Zuge der Kinder mit bunten Laternen durch das Dorf unter Beteiligung der ganzen Einwohnerschaft von Schwerz. Die Feier des 2. Tages bestand darin, daß am Montag den 2. September. in unserer Schule in Gegenwart des Schulvorstandes die übliche Schulfeier gehalten und gegen Abend von Veteranen ein Festessen gegeben wurde, an dem sich die meisten Mitglieder unserer Gemeinde beteiligten.
Nach Beendigung des Essens fand noch ein freies Tanzvergnügen, veranstaltet durch die Freundlichkeit der hiesigen Gutsbesitzer, statt, und unter Beteiligung aller Einwohner daran wurde unser Fest in schönster Harmonie beschlossen” [38].

1896 planten der Gemeindevorsteher Reuter, der Kaufmann Hölzner, der Stellmachermeister Mehne, der Lehrer Scheffler und der Gutsbesitzer Dippe (= insgesamt der Schulvorstand) einen Anbau und einige Umbauten an der Schule in Schwerz. Grund sind fehlende Aborte und andere Mängel an der alten Schule. So wurde vorgeschrieben, das Licht darf nur von einer Seite in den Schulraum kommen. Die geplanten Kosten betragen insgesamt 4.248 Mark. Davon sind 3.750 Mark für das neue Gebäude [9a]. Der Anbau wurde 1897 realisiert.

1898 der letzte Bürgermeister des 19 Jahrhunderts in Schwerz ist Franz Reuße, Gutsbesitzer im Ort [38].

1899 sind Erdbeeren und Tomaten („Liebesäpfel”) noch weitgehend unbekannt. Viele Gärtner fangen erst an, sich mit den heute selbstverständlichen Gemüsesorten und deren Kultivierung zu beschäftigen und erzielen „erstaunliche Erträge” [38].

nach oben