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Schwerz im Saalekreis

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Geschrieben von: Steffen Marx Samstag, 20. September 2008

„1603 hatten die von Scheidingen auf Dammendorf mit 1 Pferd vom Gute Kleutzsch zu dienen, welches schon 1589 Otto von Scheidingen besessen hatte” [6].

Nachdem die Familie Scheiding in Dammendorf keine Lehnserben mehr hat (die Familie selbst bleibt in anderen Orten bestehen), fällt das Gut Dammendorf wieder an das Erzstift von Magdeburg, dem Lehnsgeber. Das vergibt daraufhin das Gut an die Söhne des verstorbenen geheimen Rates und Kanzlers Meckbach (er war Kanzler von Halle im Namen des Administrators von Magdeburg, Markgraf Joachim Friedrich von Brandenburg). Danach kam das Gut an Jobst von Beesen. Dessen Sohn verkauft es 1606 für 20 000 Gulden an George von Stockheim. Die Söhne des von Stockheim verkaufen es 1620 für 21 500 Gulden an Georg von Loeben [5].

Anmerkung 17: nach Dreyhaupt [5] starb die Familie Scheiding bereits 1560 in Dammendorf aus. Das ist zu bezweifeln. Der Kanzler Meckbach ist erst 1603 verstorben [30], und die urkundliche Erwähnung von 1603 [6] widersprechen dieser Aussage.

Mindestens ab 1558 kommen die Pfarrer aus Spickendorf, denn Dammendorf war zeitweise Filiale von dort. Die Pfarrer waren nacheinander Siegismund Laubmann, Christian Geising, Wilhelm Melissus und Johannes Erdmann (1627). Letzterer hatte es schwer mit den Zeitumständen und den Dammendorfern [7].

„Johannes Erdmann und sein Verhältnis zum Filial Dammendorf”, Visitation. Dammendorf ist damals Kirchenfiliale von Spickendorf.
1627. Dammendorfs Präsident von Loeben beruft Spickendorfs Pfarrer auch für Dammendorf. Zu dieser Zeit tobt der 30- jährige Krieg. Die Wallensteiner hausen in unserem Gebiet, morden, brennen und erpressen Geld. Pfarrer Erdmann muss für die 2 Gemeinden aufkommen. Doch wie? Die Dörfer sind nahezu völlig abgebrannt. Die Felder werden nicht bestellt. Der Pfarrer z.B hält seine Tiere im Wohnhaus. Die Soldaten nutzen in Ermangelung an Stroh auch Akten als Streu für ihre Pferde oder entfachen Feuer damit. Darum wissen wir heute relativ wenig aus der Zeit vor 1600.
Für die Spickendorfer Pfarre muss Dammendorf zu 1/3 aufkommen. Doch es kommt nichts an. Also versuchte der Pfarrer, zu den Einnahmen zu gelangen. Immer wieder schickt er den Küster zum „Edelhof” nach Dammendorf. Der kommt aber stets leer zurück! Schließlich macht er sich selbst auf den Weg und überreicht dem „Gerichts- und Lehn Junker Präsident Georg von Loeben ein Verzeichnis etlicher Schulden Dammendorfer Pfarrkinder”. Mündlich berichtet er nebenbei, was er nicht aufzuschreiben wagte, was das Gotteshaus und der Edelhof ihm selbst jährlich zu geben habe, „welches er noch kein mal empfangen habe”. Doch damit kommt er übel an. Herr v. Loeben, wahrscheinlich selbst in Geldnöten, wird höchst ungnädig und ausfallend.  Er wirft dem „Gläubiger” vor, ein geiziger Mann zu sein, „er solle hingehen, man begehre ihn nicht mehr zum Pfarrherrn!” So steigert sich das Zerwürfnis immer mehr und gipfelt in einer Klage Dammendorfs gegen Pfarrer Erdmann beim Konsistorium. Die bringt aber nichts.
So zieht sich der unselige Streit fast noch ein Jahrzehnt hin - bis zur Trennung beider Gemeinden 1646. Doch auch danach mahnte der Spickendorfer Pfarrer immer wieder die Begleichung der Forderungen an, was jedoch bis heute nicht geschehen ist [7].

1619 In der Weimarer Schulordnung wird die Schulpflicht eingeführt. Ab wann diese Anordnung in Schwerz und Dammendorf durchgesetzt wird, ist derzeit nicht bekannt [38].

1646 trennt sich die Kirchenfiliale Dammendorf von Spickendorf. Danach beruft der Kirchenpatron von Loeben den Pfarrer Peter Weyrauch als ersten „eigenen” Pastor [7].

Der 30-jährige Krieg (1618-1648) ging an Schwerz und Dammendorf nicht spurlos vorüber. Beide Dörfer verarmten durch Brandschatzungen und Plünderungen durch kaiserliche und schwedische Truppen und die Bevölkerung ging rapide zurück. In Schwerz gibt es am Ende des Krieges nur noch 2 Einwohner [7]. Nach diesem Krieg erholte sich das Land nur langsam [3]. Die Kirchenbücher (Anm.18) von Schwerz sind erst seit 1648 erhalten [18].

Anmerkung 18: Die Kirchenbücher sind als Film im evangelischen Kirchenarchiv in Magdeburg verfügbar.

1661 kommt es sogar zu einer Zwangsversteigerung, des Gutes Dammendorf. Für 10 000 Gulden kauft es der Schwiegersohn des Herrn von Loebens Heinrich von Koßnitz. Dessen Stiefkinder (die Kinder seiner Frau, sie ist eine geborene von Bißing) sind die von Bißing. Sie erklagen sich das Gut. Von diesen kommt es 1677 zum Geheimen Rat Eustachius von Thümen [3].

Von Koßnitz stirbt 1663 (oder 1662). Er liegt in der Kirche in einer Gruft begraben [5].

Zeichnung der Schwerzer Kirche 20051665 wird Johann Caspar von Schieck als Gutsherr und Patron von Schwerz benannt. Es wird der Turm der Kirche (Anm.19) erneuert [21].

Anmerkung 19: Am Turm ist eine Erneuerung von außen etwa ab der halben Höhe zu erkennen. Von da ab begann vermutlich der Umbau. Der obere Teil des Turmes und das Schiff sind eher dem Barockstil als der Romanik zuzuordnen. Sicher wurde der Kirchturm dabei auch erhöht. Das belegen auch der große Stützpfeiler im Gewölbe des Turmes auf der Seite des Kirchenschiffes und die im oberen Teil deutlich geringere Wandstärke des Turmes. Ein Teil des Kirchenschiffes steht auf den Mauerresten des beim Umbau wahrscheinlich teilweise abgetragenen vorherigen Schiffes (oder einer kleinen Kapelle).
Ob der Umbau vollständig oder teilweise auf Johann Caspar von Schieck zurückgeht, steht nicht fest. Da jedoch kein anderer Umbau der Kirchensubstanz bekannt ist, und danach der Innenausbau durch Karl Dietrich Leberecht von Schieck (der Enkel von Johann Caspar?) ab 1729 (siehe dort) erfolgte, ist es aber ziemlich wahrscheinlich. Wie die Kirche vor dem Umbau ausgesehen hat, kann ein Blick auf die Türme der Kirchen von Spickendorf und Landsberg vermitteln.

Unter den ebenfalls 1665 erwähnten Dorbewohnern fällt der Namen des „Anspänners” und Dorfschulzen Christoph Reuter (Anm.20) auf. Die Familie wird auch in anderen Dokumenten als Bürgermeister oder Schöppen bis 1945 weiterhin erwähnt [21].

Anmerkung 20: Möglicherweise ist damit die Familie Reuter bis 1945 im Dorf ansässig! In der Spickendorfer Chronik wird ebenfalls der Name Reuter häufiger erwähnt [38].

In Dammendorf beginnt das Kirchenbuch erst 1677, obwohl die Kirche oder eine Kapelle bereits seit 1371 steht [3, 7].

1677 wurde wohl das derzeit ziemlich verfallene Gut [3] Dammendorf an den Amtshauptmann von Giebichenstein, Herrn von Thümen, verkauft. Als Patronatsherr ließ er 1680 die Dammendorfer Kirche, welche unter den Kriegswirren sehr gelitten hatte, neu herrichten [5]. Die Kirche Dammendorf wird mit dem Turmneubau vergrößert, das Schiff restauriert und ein neuer Altar eingebaut. Die Patronatsloge, ein Symbol der Trennung von Herr und Volk, wird wahrscheinlich auch errichtet[3].

1677 wird auch ein eigenes Pfarrhaus eingerichtet. 1786 wird das Pfarrhaus durch einen Neubau ersetzt [8].

1680 kam der zum Erzstift Magdeburg gehörende Saalkreis direkt an Brandenburg-Preußen. Vorher war der Erzstift der Lehnsherr des Gebietes und Brandenburg der Oberlehnsherr [18]. An der bisherigen Grenze gab es eine erweiterte Ausspann- und Poststation. Eine Datierung der Zollstation zwischen Preußen und Sachsen, dem Ursprung des heutigen Ortsteiles Kneipe ist derzeit nicht bekannt. Da der Verlauf der Landesgrenzen sich auch veränderte, war die Zollstation auch nur zeitweise in Funktion (siehe 1740).

Die verheerende Pest von 1682 verschonte merkwürdigerweise Schwerz und Dammendorf gänzlich, während sie im nur 1 km entfernten Spickendorf arg wütete [3].

1691 wird als Rittergutsbesitzer in Dammendorf Carl Christoph von Wallwitz erwähnt [8b].

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