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Schwerz im Saalekreis

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Geschrieben von: Steffen Marx Samstag, 20. September 2008

15. Jahrhundert

1400 haben Hans und Gerhardt von Schwerz noch 4 Hufen Besitz im Ort. Die Familie von Trotha 1 Hufe. Heinrich von Merbitz besitzt 2 Hufen in „Swerzce” [3].

1401 wird Hans von Mücheln, der gleichzeitig Schultheiß in Halle war, von Erzbischof Albrecht mit dem Schwerzer Rittergut sowie dem Gemeindebackofen und dem Wirtshaus belehnt. Er hatte vorher den Besitz der Herren „von Schwertz” aufgekauft [3].

1446 haben die Brüder Tyle (Thilo) und Hermann von Throtha 2 Hufen Land, 1 Wiese und 2 Höfe in Schwerz [15]. Die Familie Trotha besitzt später, so wird geschätzt, rund ein Drittel des heutigen Saalkreises [37a].

Außer einem Rittergut in Dammendorf besitzt Otto von Dieskau 1450 den letzten eigenständigen Sattelhof in Friedersdorf (1477 Belehnung durch Erzbischof Ernst) und einen weiteren in Göttlitz (schon 1447) [5, 15].

Auch Schwerz ist damals, neben den später völlig verlassenen Dörfern um Schwerz, von Verödung bedroht. In Belehnungsurkunden dieser Zeit (um 1450) ist ebenfalls von wüsten Höfen die Rede [18].

1467 wird Otto von Scheidingen (Anm.9) mit 3 wüsten Höfen in Wernsdorf belehnt [18]. Wernsdorf ist Burglehn der Burg Giebichenstein und gehört damit letzendlich dem Erzbischof von Magdeburg [6].

Anmerkung 9: zu den Schreibweisen von Namen und Rechten (z.B. das Patronatsrecht). Es gibt in verschiedenen Quellen, je nach Herkunft und Alter, mehrere Schreibweisen in der Literatur. Ich habe mich jeweils an die Schreibweise der entsprechenden Quelle gehalten, das führt auch dazu, dass es in dieser Chronik zum Teil voneinander abweichende Schreibweisen von Namen und Rechten gibt.
Als Beispiel mag an dieser Stelle die Familie Scheiding dienen. Von dieser sind auch folgende Schreibweisen bekannt: Scheydingk, Scheding, Schyding, Schiding, Schidung, Schiedung. Es ist ein altes, im 19. Jahrhundert erloschenes thüringisch-sächsisches Ministerialgeschlecht, welches in den Stiften Merseburg und Naumburg, später im Churkreis ansässig und Burgmannengeschlecht zu Burg Scheidungen war. Erstmals mit Benno von Scidingin 1128 erwähnt. Es hatte seinen Stammsitz in Burg Scheidungen und Güter in Kirchscheidungen [6].

In der Zeit ab 1469 ist das Gut in Schwerz und Flächen in Grintzena Familienbesitz der Herren von Beesen (Hans und Rule von Beesen belehnt von Erzbischof Johannes). 1485 dann Nicol, Hans und Reinhard von Beesen und ihr Vetter Ruten mit 12 Hufe von Erzbischof Ernst (sie haben ab 1479 auch Besitz in Göttlitz). Die letzte Belehnung dieser Familie ist 1545 mit Christoph Beesen und seinem Vetter Ewald [5]. Sie besitzen auch das Patronat über die Schwerzer und die Dammendorfer Kirche [3].

Später kam das Schwerzer Gut an die Familie „von Pistorius” [3]. Das genaue Jahr ist nicht bekannt.

1480 sind Kuno und Oswald von Getewitz (=Gödewitz) Besitzer eines Sattelhofes in Dammendorf. Danach stirbt die Familie aus, sie wird nicht mehr erwähnt. [3]
1499 belehnte Erzbischof Ernst von Magdeburg (? 1513) den Christoph von Scheidingen mit 2 freien Höfen und einer Wiese, ferner mit 4 n. Gr. von 1 Garten zu Wernsdorf, sowie mit einem freiem Sattelhof mit 4 freien (wüsten) Hufen zur Fredegestorf (Friedersdorf), die er von Martin, Giselher und Christoph von Dieskau, Söhne des erzbischöflichen Rates und Hauptmann auf Giebichenstein und Moritzburg/Halle und Oberaufseher der Grafschaft Mansfeld Otto von Dieskau (1495?) erkauft hat [6].


16. Jahrhundert

1503 besitzen die Gebrüder Martin, Christoph und Giselher von Dieskau noch das Dammendorfer Gut. Sie sind Söhne des Otto von Dieskau. Christoph von Scheiding auf Schenckenberg kauft im selben Jahr den Dammendorfer Besitz von den Söhnen Ottos von Dieskau [5, 6]. Sie erhalten auch die Gerichtsbarkeit [6].

1503 wird in der Kirche von Schwerz eine Glocke geweiht. Sie trägt den Namen Maria und Josef (Anm.10) und hat einen Durchmesser von 1.32 m. Sie ist die dritte Glocke in der Kirche. Die erste, kleine Glocke stammt aus dem 13. Jahrhundert - Durchmesser 0,53 m, die zweite ist um 1350 (geschätzt) gegossen worden, mit einem Durchmesser von 1.17 m [3].

Anmerkung 10: Eine mögliche Erklärung für die in neueren Schriften erfolgte Benennung der Kirche als Marienkirche.

Mit dem Beginn des kirchlichen Lebens wurde Schwerz dem Erzpriestertum Brachstedt Archidiakonat Neuwerk zugeordnet und ging 1506 in die kirchliche Hoheit des Amtes Giebichenstein über. Dabei mussten aber nach Giebichenstein keine „Schoß noch Dienste”, sprich Abgaben, geleistet werden [5].

1506 erwarben Christoph von Scheiding und seine Verwandten den Sattelhof der Herren von Gödewitz in Gödewitz. Im Verlauf dieser Transaktionen wurde der Ort Gödewitz dem sich erweiternden Dammendorf eingegliedert. Zugleich erhielt die Familie von Scheiding das Dorf Dammendorf mitsamt der Gerichtsbarkeit über den Ort. Der Sattelhof wurde so zum Rittergut aufgewertet. Seit dieser Zeit sind beide Orte vereint [3, 6].

Glockengestühl im Dammendorfer Kirchturm, die große Glocke im VordergrundDie Dammendorfer Kirche erhält 1518 eine zweite Glocke (0.95 m Durchmesser). Die erste, kleinere, soll aus dem 13. Jahrhundert stammen (0,50 m Durchmesser) [3].

Die Gebrüder Christoph und Balthasar von Scheidingen besitzen 1523 Dammendorf im Saalkreis [6].

1536 bestand Dammendorf aus acht besetzten Bauernhöfen, zwei Mühlen und einer Schenke. Ein Jahr später wurde das Rittergut in Dammendorf bestätigt. 1537 belehnt Kardinal Albrecht erneut Christoph und Balthasar (Brüder) von Scheiding. Es umfasste zu der Zeit einen freien Sattelhof vier Hufen, das Pfarrlehen, die Erbschenke und die Gerichtsbarkeit. Zum Grundbesitz gehören dann drei Teiche, zwei Windmühlen eine Salpeterhütte und eine Erbschenke [5].

1537 gibt es noch eine Erwähnung von Friedersdorf, danach wird das Dorf endgültig wüst (Anm.11). Die Gemarkung fällt wahrscheinlich zu großen Teilen an Schwerz. Die Dorfstelle selber nach Dammendorf [15].

1537 Belehnung von Christoph von Scheiding mit 7 wüsten Höfen in Wernsdorf [15]. Danach gibt es keine derzeit bekannten Erwähnungen von Wernsdorf mehr.

Ebenfalls 1537 erhält Christoph Scheiding 5 wüste Bauernhöfe und eine Hufe Land in Grintzena [15]. Einen Teil der Gemarkung Grintzena erhält wahrscheinlich Schwerz, da Christoph Scheiding auch in Schwerz Besitz hat, den anderen (größten?) Teil Niemberg.

Anmerkung 11: Die Ursache des Wüstwerdens dieser Dörfer sind nicht Kriege oder Seuchen, wie es in anderen Gegenden auch vorkam, sondern eher in wirtschaftlichen, (Missernten, Lage an Handelstraßen) sozialen (familiäre Gründe) oder auch politischen (Umgestaltung der Einflussgebiete von Mächtigen der Region) Gründen zu suchen. Was in den konkreten Fällen die Ursache war, lässt sich nicht mehr klären, auffällig ist nur, dass die Siedlungen offenbar ziemlich zeitgleich verlassen wurden. Die häufig als Ursache für Wüstungen erwähnte „kleine Eiszeit” mit den damit verbundenen geringeren Erträgen ab etwa 1400 ist zwar möglich, aber nicht unbedingt schlüssig. Die Anzahl der Dörfer sagt nicht unbedingt etwas über die Anzahl der Einwohner eines bestimmten Gebietes aus. Und über die Einwohnerzahlen liegen keine Informationen vor.

Kartenausschnitt- altes Messtischblatt-  mit der Lage der Wüstungsdörfer um Schwerz und Dammendorf1549 letzte (?) Erwähnung von Göttlitz („Gotlitzer Mark“). Die Gebrüder Bastian, Christoff und Georg von Scheidingen  als Besitzer dreier Lehnhufe [6,15]. Interessant an Göttlitz ist, dass die ehemaligen (14) Hofstellen in der Separationskarte (= erste Flurkarte) des 19. Jahrhunderts noch zu erkennen ist. Das legt nahe, das zumindest dieser Ort erst spät völlig verlassen wurde. 1830 ist das Dorf immer noch Anger, der Dorfteich wird erst um 1895 ausgefüllt. Die Gemarkung fällt nach Schwerz und Spickendorf. Beide Orte verfügen auch über das Recht der Koppeltrift (Anm.12) [15] (siehe auch Jahr 1725).

Anmerkung 12: Eigentlich Kuppeltrift, da die Bedeutung vom Recht stammt, dass verschiedene Nutzer berechtigt waren, ihr Vieh auf eine (die gleiche) Trifft zu treiben (=gekuppelte oder verbundene Trifft).

Mitte des 16. Jahrhunderts erfolgte in unserem Gebiet die Reformation (Anm.13). Es sind auf dem Territorium des heutigen Saalkreises jedoch keine mit dem Bauernkrieg verbundenen Ereignisse nachgewiesen, im Gegensatz zum benachbarten Mansfelder Land. In Spickendorf gibt es ab 1545 lutherische Pfarrer, für Schwerz und Dammendorf ist das Jahr nicht bekannt, dürfte aber auch in diese Zeit einzuordnen sein [38].

Anmerkung 13: 1517 Thesenanschlag in Wittenberg von Martin Luther

Sebastian von Scheidingen, Herr auf Dammendorf wird 1560 und 1573 erwähnt. Er heiratet 1573 zum zweiten Mal, Christine von Morll[6].

1569 zählt Schwerz 25 Häuser darunter 3 Sattelhöfe [21]. In dieser Quelle wird auch berichtet, dass Schwerz danach noch Einwohner aus den verödeten Beidörfern „Kritschena“ und  „Getlis“ nach einem „Dorfkrieg“  und der Pest erhält.

Nach den Kirchenvisitationenprotokollen von 1581 in Beyersdorf (Anm.14) schuldete Bastian von Scheiding (auf Dammendorf) der dortigen Kirche, wegen der an ihn verliehenen 50 Gulden, 52 ½ Groschen Zinsen [6].

„Hans VIII. von Haacke auf Gutenberg, Gorentzen, Wäldchen ehelicht nach 1592 Katharine von Scheidingen, Tochter des Sebastian von Scheidingen auf Dammendorf und der Christine von Morll aus dem Hause Lettin” [6].

1569 zählt Schwerz 25 Häuser darunter 3 Sattelhöfe [21].

Samuel Pistorius verkaufte das Schwerzer Gut 1596 an Christoph Krahen. Dieser trat es später an die Familie von Schieck (Anm.14) ab, die es etwa 100 Jahre besaßen [5]. Die Familie Schieck hatte noch weitere Besitzungen im Gebiet des Saalkreises und war damals wohl sehr einflussreich [3]. Unter anderem gibt es Erwähnungen in Reinsdorf (1517-1675). [44]

Anmerkung 14: Das genaue Jahr der Abtretung ist derzeit nicht bekannt Es dürfte etwa zwischen 1630-1650 gewesen sein. Da in dieser Zeit der 30- jährige Krieg tobte, könnte es einen Zusammenhang geben. Das Gut von Schwerz wurde später auch als Hauptgut der Familie Schieck beschrieben [34]. Diese Familie hatte in der Umgebung noch weitere Besitzungen, so in Quetz und Gütz.

Die Gebrüder Hans, Bastian, und Balthasar, Söhne des Balthasar von Scheidingen zu Dammendorf erbten 1597 Niemegk [6].
1598 besaßen Christoph und Bertram von Scheidingen auf Dammendorf als Anhaltisches Lehen Kleutzsch und ein Gut Löberitz [6].

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